360 – Das ist nicht mehr meine Internetbetriebstemperatur

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Abgründe des Alltags / Hingerotzt und Ausgekotzt

Oh Internet. Gerade in diesem Augenblick bist du mir einfach viel zu viel. Vielleicht liegt es an dieser Dichte von Empörungswellen, die seit zwei Wochen durch meine Timeline schwappen. Zuerst waren da diese pürierten Früchte, dann dieser Kinderbuchverlag und irgendwas anderes, was ich inzwischen verdrängt habe, bestimmt auch. Angefangen hat ja eh alles damit, dass diese Menschen in meiner Timeline anfingen diese BRÜLLBUCHSTABENZEITUNG zu retweeten, um sich dann über sie aufzuregen (vollkommen zurecht, aber habt ihr schon mal überlegt, dass ich die BRÜLLBUCHSTABENZEITUNG gar nicht retweetet bekommen will, weil ich sie eh scheiße finde?).

Jedenfalls ist es wahnsinnig anstrengend. Sogar für jemanden, dessen Betriebstemperatur bei etwa 180 liegt. Ich rege mich gerne auf. Deswegen gucke ich Jauch. Oder Plasberg. Oder lese Kommentare in den facebook-Spalten von Pegida. Gerade zerlegt sich aber meine Timeline. Ich mag das nicht, ich bin schließlich irgendwann mal absichtlich allen Leuten in meiner Timeline gefolgt. Es ist nicht so, dass ich sie jetzt weniger gerne lesen würde und außerdem gibt es da ja den Entfolgebutton. Der Berufsranterin ist zu viel Rant im Internet. Zu viel Kleinscheiß. Und ja, mir sind die ganzen Diskurse darum bekannt, dass auch Kleinscheiß wichtig ist. Nur: ihr seid mittlerweile nicht mehr auf 180, sondern irgendwo auf 360. Das ist nicht mehr meine Internetbetriebstemperatur.

Das Prokrastier, das Putzfimmel und die Wut

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Abgründe des Alltags / Autoreferenzielle Selbstprovinzialisierung

Wut hat ein verdammt schlechtes Image. Es gibt da diese Wutbürger, die in den letzten Jahren immer schrecklicher geworden sind. Wütende Menschen mag eigentlich auch niemand und ich meine Hitler hat man ja auch ständig nur wütend gesehen. Dabei ist Wut eigentlich eine tolle Erfindung. Nehmen Sie zum Beispiel mich. Ich bin ein dauerprokrastinierendes Faultier. So ein echtes. Ich kann so hart prokrastinieren, dass ich noch nicht mal anfange zu putzen, wenn wichtige Dinge wie Prüfungen anstehen. Nein, ich mache einfach so weiter wie sonst auch. Das heißt in erster Linie, dass ich so lange und ausgiebig schlafe wie es geht, mir dummes Zeug im Internet angucke und das war es dann auch schon. Damit kann ich ganze Tage, wenn nicht sogar Wochen verbringen.

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La semaine 13 en 2015

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Abgründe des Alltags / Autoreferenzielle Selbstprovinzialisierung / la semaine

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[Montag] Aus Gründen verlasse ich die Wohnung, was ich normaler Weise an einem Montag gar nicht tue. Ich begebe mich in ein teures Café und kann – entgegen meiner eigentlichen Gewohnheiten – sehr gut lesen (was dringend nötig ist). Ich denke, es hat damit zu tun, dass man mit dem Smartphone in diesem Café nur Edge-Empfang hat und ich deswegen nicht alle 10 Minuten aufs Handy starren kann.

[Dienstag] Eigentlich will ich lernen, aber dann gucke ich fünf Stunden ARD. Und denke dann darüber nach, warum ich meine, fünf Stunden ARD gucken zu müssen. Außerdem schreibe ich sehr viele Tweets und drücke dann doch nicht auf den “Tweet”-Button.

[Mittwoch] Es ist sehr gut, wenn man sich ablenken kann, von einigem. Ich zum Beispiel lenke mich von den Gründen ab, weshalb ich am Montag unbedingt lesen musste.

[Donnerstag] Noch mehr Aufregung. Und dann kann ich leider nicht schlafen und gucke fast alle Tagesschau vor 20 Jahren-Ausgaben aus dem März, die man online bei der ARD finden kann. Dabei lernt man auch einiges, aber kaum Dinge, die einem am nächsten Tag helfen könnten. Gegen 3 Uhr nachts (und eigentlich ist schon Freitag) hat die Polizei draußen auch gut zu tun, weil sie wohl irgendjemanden auf frischer Tat bei etwas erwischt hat, so genau höre ich das im Zweiten Stock leider nicht. Ich werde mal eine gute Fensterrentnerin.

[Freitag] Der Tag der Tage. Bis 15 Uhr mache ich alle um mich herum so kirre, dass es vollkommen gerechtfertigt ist, dass ich um 14:50 Uhr das Gefühl habe, alles, was mal in meinem Kopf war, vergessen zu haben. Karma und so. Es ist gar nicht so schlimm wie ich dachte, aber puh, ich hasse mündliche Prüfungen so sehr. Was ein weiterer Grund ist, niemals zu Promovieren. Mündliche Prüfungen sind schlimm und wenn man sie vermeiden kann, dann sollte man sie vermeiden. Danach gibt es mal wieder einen Überraschungsbesuch. Ich mag Überraschungen nicht. Heute, weil der Überraschungsbesuch mit mir verwandt ist und ich ihm verklickern muss, dass er meine Wohnung leider nicht betreten darf. Deswegen laufe ich mit ihm drei Stunden durch die Bonner Innenstadt. Erwähnte ich, dass ich heute Nacht nur zwei Stunden Schlaf hatte?

[Samstag] Ich fahre zu IKEA. Tocotronic haben ein schönes Lied über den Samstag geschrieben und Kettcar ein schönes in dem IKEA vorkommt und wenn man beide hintereinander hört, kennt man meinen Samstag.

[Sonntag] Zuerst holt der weltbeste exilsoester Brötchen, dann bringt mir die weltbeste Karin ein Streusel- und ein Nussbrötchen aus Aachen vorbei, weil @missmarple76 mich mit Kindheitserinnerungen beschenken möchte. Ich habe ja Aachener Wurzeln müssen Sie verstehen, die betone ich nur nicht so sehr wie die Sauerländer Wurzeln, weil die Aachener nicht so peinlich sind wie die Sauerländer und man sie nicht so gut in Dönnekes verwandeln kann.

Ja nun.

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Hingerotzt und Ausgekotzt

Das

und

der Witz ist: da kann man bestimmt 8000 Experten dran setzen und man wird trotzdem nichts Schlüssiges rausfinden. Aber weil das ja jetzt mit dem ganzen Kleinkrieg so gut passt, können wir uns auf einem der lächerlichsten Nebenschauplätze austoben, während Griechenland bis Freitag eigentlich irgendwelche Schulden zurückzahlen müsste (welche das sind, wissen wir gar nicht so genau). Das ist uns aber eigentlich egal, weil uns geht’s ja eigentlich gut, das darf nur keiner mitbekommen, deswegen nehmen wir halt diesen Fingerskandal und regen uns darüber auf.

#Briefbuchleaks: Rockröhre, was ein bescheuerter Ausdruck

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Abgründe des Alltags / Autoreferenzielle Selbstprovinzialisierung

Erinnern Sie sich noch an das Briefbuch? Ich führte es irgendwann in den Jahren 2001 und 2002. Damals war ich irgendwas zwischen 13 und altklug. Es war eine schreckliche Zeit, festgehalten in einem stinkenden Notizbuch, das es im Karstadt für 2 Mark und 50 Pfennige gab. Ja, so lange ist das schon her, da liegt eine ganze Währungsreform zwischen. Weitere schreckliche Notizen aus dem Briefbuch von K (die an dieser Stelle hier komplett anonym bleibt, weil sie gar nicht weiß, dass ich das Ding im Netz veröffentliche.) und mir finden Sie hier, hier, hier, hier und hier.
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