La semaine 13 en 2015

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Abgründe des Alltags / Autoreferenzielle Selbstprovinzialisierung / la semaine

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[Montag] Aus Gründen verlasse ich die Wohnung, was ich normaler Weise an einem Montag gar nicht tue. Ich begebe mich in ein teures Café und kann – entgegen meiner eigentlichen Gewohnheiten – sehr gut lesen (was dringend nötig ist). Ich denke, es hat damit zu tun, dass man mit dem Smartphone in diesem Café nur Edge-Empfang hat und ich deswegen nicht alle 10 Minuten aufs Handy starren kann.

[Dienstag] Eigentlich will ich lernen, aber dann gucke ich fünf Stunden ARD. Und denke dann darüber nach, warum ich meine, fünf Stunden ARD gucken zu müssen. Außerdem schreibe ich sehr viele Tweets und drücke dann doch nicht auf den “Tweet”-Button.

[Mittwoch] Es ist sehr gut, wenn man sich ablenken kann, von einigem. Ich zum Beispiel lenke mich von den Gründen ab, weshalb ich am Montag unbedingt lesen musste.

[Donnerstag] Noch mehr Aufregung. Und dann kann ich leider nicht schlafen und gucke fast alle Tagesschau vor 20 Jahren-Ausgaben aus dem März, die man online bei der ARD finden kann. Dabei lernt man auch einiges, aber kaum Dinge, die einem am nächsten Tag helfen könnten. Gegen 3 Uhr nachts (und eigentlich ist schon Freitag) hat die Polizei draußen auch gut zu tun, weil sie wohl irgendjemanden auf frischer Tat bei etwas erwischt hat, so genau höre ich das im Zweiten Stock leider nicht. Ich werde mal eine gute Fensterrentnerin.

[Freitag] Der Tag der Tage. Bis 15 Uhr mache ich alle um mich herum so kirre, dass es vollkommen gerechtfertigt ist, dass ich um 14:50 Uhr das Gefühl habe, alles, was mal in meinem Kopf war, vergessen zu haben. Karma und so. Es ist gar nicht so schlimm wie ich dachte, aber puh, ich hasse mündliche Prüfungen so sehr. Was ein weiterer Grund ist, niemals zu Promovieren. Mündliche Prüfungen sind schlimm und wenn man sie vermeiden kann, dann sollte man sie vermeiden. Danach gibt es mal wieder einen Überraschungsbesuch. Ich mag Überraschungen nicht. Heute, weil der Überraschungsbesuch mit mir verwandt ist und ich ihm verklickern muss, dass er meine Wohnung leider nicht betreten darf. Deswegen laufe ich mit ihm drei Stunden durch die Bonner Innenstadt. Erwähnte ich, dass ich heute Nacht nur zwei Stunden Schlaf hatte?

[Samstag] Ich fahre zu IKEA. Tocotronic haben ein schönes Lied über den Samstag geschrieben und Kettcar ein schönes in dem IKEA vorkommt und wenn man beide hintereinander hört, kennt man meinen Samstag.

[Sonntag] Zuerst holt der weltbeste exilsoester Brötchen, dann bringt mir die weltbeste Karin ein Streusel- und ein Nussbrötchen aus Aachen vorbei, weil @missmarple76 mich mit Kindheitserinnerungen beschenken möchte. Ich habe ja Aachener Wurzeln müssen Sie verstehen, die betone ich nur nicht so sehr wie die Sauerländer Wurzeln, weil die Aachener nicht so peinlich sind wie die Sauerländer und man sie nicht so gut in Dönnekes verwandeln kann.

Ja nun.

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Hingerotzt und Ausgekotzt

Das

und

der Witz ist: da kann man bestimmt 8000 Experten dran setzen und man wird trotzdem nichts Schlüssiges rausfinden. Aber weil das ja jetzt mit dem ganzen Kleinkrieg so gut passt, können wir uns auf einem der lächerlichsten Nebenschauplätze austoben, während Griechenland bis Freitag eigentlich irgendwelche Schulden zurückzahlen müsste (welche das sind, wissen wir gar nicht so genau). Das ist uns aber eigentlich egal, weil uns geht’s ja eigentlich gut, das darf nur keiner mitbekommen, deswegen nehmen wir halt diesen Fingerskandal und regen uns darüber auf.

#Briefbuchleaks: Rockröhre, was ein bescheuerter Ausdruck

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Abgründe des Alltags / Autoreferenzielle Selbstprovinzialisierung

Erinnern Sie sich noch an das Briefbuch? Ich führte es irgendwann in den Jahren 2001 und 2002. Damals war ich irgendwas zwischen 13 und altklug. Es war eine schreckliche Zeit, festgehalten in einem stinkenden Notizbuch, das es im Karstadt für 2 Mark und 50 Pfennige gab. Ja, so lange ist das schon her, da liegt eine ganze Währungsreform zwischen. Weitere schreckliche Notizen aus dem Briefbuch von K (die an dieser Stelle hier komplett anonym bleibt, weil sie gar nicht weiß, dass ich das Ding im Netz veröffentliche.) und mir finden Sie hier, hier, hier, hier und hier.
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Dörte

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Abgründe des Alltags

Elisabeth und Dörte wuchteten ihre Koffer in die Ablage über ihren Sitzen. Ihre Koffer waren vor allem deswegen so schwer, weil Dörte jedes Gedicht, das sie in den vergangenen Jahren geschrieben hatte, ausgedruckt und in 8 Leitz-Ordner abgeheftet hatte. Früh am Morgen hatten beide ihre Reihenhäuser verlassen und waren in Elisabeths Kleinwagen zum kleinen Bahnhof gefahren. Jetzt waren sie in Frankfurt und bestiegen den Zug, der sie zur Buchmesse in Leipzig bringen sollte. Elisabeth, die Dörte aus dem Rotary-Club kannte und sie eigentlich ziemlich anstrengend fand, war froh gewesen, dass sie jemanden gefunden hatte, die mit ihr zur Buchmesse fahren wollte. Dörte hatte eh vorgehabt, ihre acht Leitz-Ordner irgendeinem Verlag anzudrehen. Sie hatte schon immer gedichtet. Richtig angefangen hatte sie aber erst, als die Kinder gekommen waren und sie vorerst nicht mehr am Gymnasium unterrichtete. Ihr Mann Wolfram hatte gemeint als Sparkassendirektor müsse er die Familie notfalls auch alleine ernähren können. Das war zwar Dörtes emanzipatorischem Grundwesen sehr zuwider, aber immerhin hatte sie jetzt Zeit, ihre Gedichte zu schreiben. Sie liebte Wörter sehr.

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