RhEINES CHAOS 2011

Obwohl auch in diesem Jahr eine Fußball-WM stattfindet (aber Deutschland an diesem Samstag nicht spielte), waren gestern 160.000 Leute bei der RhEINKULTUR 2011. Und für die Stadtwerke Bonn waren das eindeutig zu viele. 

Machen wir uns nichts vor. Verkehrstechnisch gesehen ist diese ehemalige Hauptstadt Deutschlands das größte Fiasko. Die ganze Stadt ist quasi eine Einbahnstraße, ständig werden irgendwelche Brücken saniert, weswegen es innerstädtisch öfters mal zu Verkehrsproblemen kommen kann. Wenn durch die Innenstadt eine Demo/ein Marathon/eine aufgescheuchte Horde Ameisen läuft, geht praktisch nichts mehr.

Der Hauptbahnhof mit seinen 5 Gleisen ist vielleicht mit ein Grund, warum damals dann doch niemand in Bonn bleiben, sondern lieber nach Berlin wollte. Vom Bonner Loch muss man gar nicht reden, da gibt es genug Abhandlungen drüber.

Als ich damals nach Bonn zog, war ich phänomenal begeistert, dass es hier U [sic!]-Bahnen gibt. In Wirklichkeit sind diese „U-Bahnen“ eine Mischung aus Straßen- und U-Bahn und wie mir scheint, mindestens jedes Jahr für 3 Wochen außer Betrieb, weil die Strecke gewartet werden muss. Soviel zur U-Bahn.

[edit 3.7. 18.00 Uhr: wie in den Kommentaren angegeben, ist es keine U- sondern eine Stadtbahn, da sie ursprünglich mal für Bundestagsabgeordnete gebaut wurde, ist natürlich klar, dass sie keine 160.000 Menschen transportieren kann…oder so…ich hätte das auch vorher schon wissen können, hab ich das Ding doch schon mal fotografiert]

Die allgemeinen Probleme der Rheinländer mit ihrem ÖPNV kann ich seit fast drei Jahren nur zu gut nachvollziehen. Busse kommen nicht, Busfahrer machen Pause wann sie wollen und sind in 95% der Fälle unfreundlich und – man ist hier ja nicht in Berlin – samstags kommen die Busse nur jede Viertelstunde.

Auch, wenn RhEINKULTUR ist. Die Bahnen kommen etwas öfter. Und darauf sind die SWB auch noch stolz und verkünden:

Stadtbahnlinie 66
Der 15-Minuten-Takt zwischen Siegburg und Ramersdorf wird bis 23 Uhr verlängert. Zwischen Bonn Hauptbahnhof und Ramersdorf fährt die Linie 66 von 13 bis 23 Uhr alle 7/8 Minuten. Von 23 bis 2 Uhr wird der Fahrplan zwischen Ramersdorf und Hauptbahnhof auf einen 15-Minuten-Takt ausgeweitet.

[…]

Buslinien 610/611

Die Buslinien 610/611 fahren ab „Bonn Hauptbahnhof“ in Fahrtrichtung „Rheinaue“ alle 15 Minuten.“

Diese Verlinkung führte ursprünglich mal zu obiger Pressemitteilung auf der Seite der Stadtwerke. Warum sie jetzt weg ist, weiß ich nicht.

Das Ende vom Lied? Um 15 Uhr ca. 500 Leute im Bonner Loch, die noch nicht mal auf den Gleissteig der Bahn kommen. Also nichts wie raus und schauen, ob genug Nicht-Bonner da sind, die nicht wissen, dass man auch Bus fahren kann. Schon wieder falsch gedacht. Die steigen nämlich in alles was fährt, egal, ob sie das jetzt ans Ziel bringt oder nicht.

Plan B: Bonn-West einsteigen und zwar nicht in die 66, sondern in die 16, Olof-Palme-Allee raus und ab aufs Festivalgelände. Klappt.

Leider haben wir aufgrund der ganzen, eigentlich vorhersehbaren, Steine, die uns die SWB auf den Weg legten, Friska Viljor verpasst. Kriege SMS, dass die Bahn von Köln nach Bonn neuerdings zwei Stunden braucht.

Sechs Stunden später: Dick Brave hat sich ausgerockabillyt und wir wollen nach Hause. Wie auch schon bei anderen Großveranstaltungen wie Rhein in Flammen geht gar nichts mehr. Laufen nach Ramersdorf? Die Idee haben noch ca. 4000 andere Menschen. Also nächtlicher Spaziergang 4,2 Kilometer am Rhein entlang. Pommes bei Mama, Großraumtaxi auf Anhieb bekommen (Um halb 2 in den Nachtbus zu kommen, ist utopisch). Der Taxifahrer ist ein Arschloch, uns egal. 12 Euro für die Fahrt vom Hbf nach Hause und ab ins Bett.

Eine Odyssee durch das 141,22 km² große Bundesdorf: wie jedes Jahr.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • würde ich tun, ich hatte aber auswärtige Übernachtungsgäste und deswegen keine vier Leihfahrräder zur Verfügung. Das fällt jedes Jahr flach.

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        • nun ja, da man ja mit der Bahn kostengünstiger als mit Call-A-Bike hinkommen würde (ganz abgesehen davon, dass der Vandalismus zur RhEINKULTUR ja nicht abnimmt.), glaube ich nicht, dass das eine Alternative wäre.

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  1. Ich hab das ein Mal mitgemacht. Seit dem weiß ich nur eins: Zu Fuß gehen hilft! Das hab ich schon ein paar Mal gemacht. Man läuft zwar eine knappe Stunde gemütlich bis zur Altstadt, aber das ist besser als der Krieg in der Bahn.

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  2. Es sind keine U-Bahnen, sondern Stadtbahnen. Hab ich auch erst durch die Wikipedia gelernt, U-Bahnen haben ein komplett eigenes Verkehrsnetz, während Stadtbahnen den Verkehr mit anderen wie Autos, Fahrrädern, Fußgängern teilen müssen.

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    • Das ist interessant, weil doch ab und zu mal ein U da steht, oder? Zumindest auf meinem Falk-Stadtplan ist sie als U-Bahn eingezeichnet.

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  3. Nächstes Mal kommst du einfach mit uns, denn wir haben den ultimativen Geheimtipp, waren von Beuel in 10 Minuten da und haben von unserem Ankunftsort 5 Minuten zu Fuß gebraucht und sind durch den komplett leeren Nebeneingang reingekommen. Die Security dort musste sich erstmal aus ihrem Mittagsschlaf erheben, um uns zu kontrollieren.

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