„Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft.“*

 

 

(*: Gerhard Schröder, Interview in der BILD-Zeitung, 5. April 2001)

Ein Beispiel an Herrn Schröder nehmend, schleppte ich mich seit meinem Fitti-Eintrag noch weitere zwei Male ins Fitti. Einmal am Sonntag und dann heute wieder. Ich kann mittlerweile 15 Minuten auf einem Laufband laufen, Spaß macht’s trotzdem keinen. Zirkeltraining ist auch eher doof, also wieder so einen Kurs mitgemacht. Ich habe mir überlegt, ich mache jetzt alle Kurse durch, vielleicht finde ich ja mal einen, der mir gefällt (harharhar).

Anyways, heute stand auf dem Plan: Aerobic + BBP (ich glaube, das steht für Bauch, Beine, Po). Ich war schon fertig, weil ich in 20 Minuten 2 Kilometer hinter mich gebracht hatte (die verbrannten Kalorien lagen sogar fast im zweistelligen Bereich, Sie können gar nicht glauben, wie stolz mich das macht). Dieses Mal hatte ich eine Vorhopserin (es gibt also auch weibliche Trainerinnen in meinem Fitti).

So: nachdem ich vergangenen Donnerstag feststellte, dass ich ungelenkig bin, heute die neue Erkenntnis: ich bin grob- und feinmotorisch genauso unbegabt. Hände und Füße unabhängig voneinander koordinieren, come on! Mein Hirn beschäftigt sich lieber mit was anderem. Und nicht mit Grapevines, Touch-Step, Double-Touch-Step oder Pony (ja, man sieht bei diesem Schritt so bescheuert aus wie er klingt). Ich hüpfe also äußerst dumm durch die Gegend und stoße dabei regelmäßig mit meiner Mitturnerin neben mir zusammen. Die benutzt nämlich als einzige regelmäßig das andere Bein, um anzufangen.

Es bleibt kaum Zeit mich umzuschauen, ich soll hier ständig in Bewegung sein, sogar beim kurzen Schluck zwischendurch, soll ich weiter marschieren. Bundeswehr ick hör dir trapsen. Das ist bestimmt eine Rekrutierungsmaßnahme von der Hardthöhe, ischör, Alta!

Nach 30 Minuten fühle ich mich, als wäre ich in einen Pool gesprungen, nur leider war’s nicht ganz so entspannend. Ich überlege aufzugeben und zu gehen, vor allem, weil meine 1-Liter-Zitronenwasserflasche schon so gut wie leer ist. Aber, halt, stop, jetzt dürfen wir uns ja Matten nehmen, denn anscheinend wird jetzt zum BBP übergegangen. BBP besteht daraus, die Matte zusammenzurollen und sich drauf zu stellen. Dabei soll man dann komische Übungen machen. Ich bin aber schon genug damit beschäftigt, das Gleichgewicht zu halten und nicht von der Matte zu fallen. Weiter ging’s mit Sit-ups der bösen Art und irgendwelchen Übungen, die wohl den Hintern straffen sollen.

Auch hier durfte ich mich wieder komisch über den Boden wälzen. Und auch hier stellte ich wieder einige Beobachtungen zur sozialen Zusammensetzung der Fittimitglieder an:

1. In meinem Fitti gibt es die Marke „vernachlässigte Ehefrau“. Ob sie wirklich vernachlässigt, geschweige denn Ehefrauen sind, kann ich natürlich nicht belegen. Allerdings befinden sie sich in den letzten Zügen der 40 oder Anfang der 50, sind übelst durchtrainiert und reden regelmäßig davon, welche der 4000 anderen Kurse sie noch machen können.

2. Arme, kleine Mädchen, die in ihrer Freizeit arbeiten gehen, um sich den Rest der Zeit das Fitti leisten zu können. Ich bemitleide sie wirklich um dieses trostlose Leben und überlege das Fitti mit „Fight-for-your-right-being-a-couchpotatoe“-Postern zu tapezieren.

3. Komische Frauen, die es zu irgendwas im Leben gebracht haben (ich weiß nicht wie). Sie unterhalten sich darüber, dass „der Nazi“ ihnen SMS geschickt hätte. Dabei kichern sie ganz komisch.

Und morgen lesen Sie dann: ellebil unter einem Haufen Rentnerinnen beim Kurs „Rückenfit“.

 

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr gerne helfe ich dir zur Weltherrschaft. Was ich aber nicht verstehe, wenn in deinem Fitti soviele verzweifelte Damen herumlaufen, warum ist das ein reines Frauenstudio? Ich meine, zum kennenlernen andersgeschlechtlicher Partner ist das doch eher kontraproduktiv, oder ? Ich find das sehr spannend, war nämlich noch nie in nem geschlechtsspezifischen Fitti. Wann gibts die nächste Folge?

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