The Art of Pilates

Ich muss zugeben, das hier ist ein Schummelbeitrag. Ich habe schon mal Pilates gemacht, aber das ist lange her. Vier Jahre um genau zu sein. Und das war was ganz anderes, denn damals trainierte ich auf einem Reformer, was ich eindeutig toller finde als das Mattenpilates im Fitti. Aber kommen wir doch erstmal zu Herrn Pilates.

Herr Pilates war schon sehr früh begeisterter Sportler und trainierte Menschen, irgendwann wanderte er nach Amerika aus und gründete dort ein Studio für seinen selbstentwickelten Sport. Der hat bis heute überlebt und erfuhr ab etwa 2006 einen krassen Hype. Herr Pilates hat angeblich über seinen Sport gesagt:

„Nach zehn Stunden spüren Sie den Unterschied. Nach zwanzig sehen Sie den Unterschied – und nach dreißig haben Sie einen neuen Körper.“

Soweit, so schlecht, Herr Pilates, denn erst mal muss man zehn Stunden ihres Trainings durchhalten. Das ist nicht so einfach. Die Übungen von Herrn Pilates sind wie Yoga: Sieht einfach aus, isses aber gar nicht! Noch dazu nicht, wenn die Powerrussin, die dieses Mal die Vorhopserin gibt, einen dabei von der Seite beobachtet und generell gerne stichelt (oder sich mit anderen Kursteilnehmerinnen in Sprachen unterhält, die ich nicht verstehe).

Pilates ist so anstrengend, dass es dafür sogar eine eigene Atmung gibt. Die hört sich ziemlich krass nach Schwangerschaftsgymnastik an. Um mich herum also 20 hechelnde Frauen. Sollte ich jemals in meinem Leben schwanger sein, werde ich alles dafür tun, um an einem Schwangerschaftsgymnastikkurs vorbei zu schlittern.

Dass meine Bänder übelst arg verkümmert sind, weiß ich ja schon vom Yoga. Beim Pilates finde ich auch noch heraus, dass ich wohl ein irreparabeles Hohlkreuz habe. Die Powerrussin guckt mich bei einer Übung an und sagt: „Das tut ganz fies weh, oder? Ich kann mir das gar nicht ansehen.“ Kann ich jetzt nicht bestätigen, tut gar nicht weh. Dafür sehen die Übungen auch ziemlich scheiße aus. Man liegt zum Beispiel mit dem Bauch auf der Matte, streckt die Arme und Beine vom Boden weg und soll dann hin- und herwippen. Aber weil ich ja ein Hohlkreuz habe, soll ich diese Übung besser nicht machen.

Ich überlege in der Zwischenzeit, ob ich überhaupt für irgendeinen Kurs zu gebrauchen bin. Wahrscheinlich nicht. Aber so fühle ich mich schon seit meinen ersten Gruppensporterfahrungen im Alter von ähh drei Jahren. Kinderturnen, Sie erinnern sich vielleicht an sowas? Bei mir war es Mutter-Kind-Turnen und ich hatte eine Hose, die rot-weiß gestreift und ziemlich hässlich war. Mein Kopf behauptet, ich hätte sie auch noch in der 6. Klasse zum Sport getragen. Aber vielleicht wurden auch nur verschiedene Größen dieser Hose beim Kauf angeschafft, um mich möglichst lange lächerlich zu machen. Dass ich größer als 1,48 Meter werden sollte, wurde dabei anscheinend nicht bedacht.

Zurück zum Pilates: Das Schnauf-Atmen an sich wäre ja jetzt auch nicht schlimm. Das kriege ich noch hin, aber die Powerrussin und Herr Pilates wollen anscheinend, dass ich zu meinen Bewegungen koordiniert laut durch die Nase einatme. Probieren Sie das mal. Das kommt einem erstens total bescheuert vor und zweitens funktioniert das mit der Koordination, wie wir seit meinem Aerobicausflug ja wissen, bei mir auch nicht. Ganz abgesehen davon, dass ich es noch nicht mal hinkriege meine Knie und meine Fersen abwechselnd mit beiden Händen zu berühren.

Und auch beim Pilates gibt’s ne esoterische Abteilung. Die nennt sich Powerhouse und ist sowas wie das Körperzentrum. Das Powerhouse liegt irgendwo um die Wirbelsäule herum. Ganz wichtig dabei ist der Bauchnabel, den soll man nämlich regelmäßig nach innen ziehen. Seine Hände darf man zum „Nach-innen-Ziehen“ übrigens nicht benutzen, habe das probiert und war froh in der Mensa kein Chinagemüse gegessen zu haben (dieser spezielle Insider ist für einen ganz speziellen Blogleser bestimmt). Dass es evtl. besser sein könnte, wenn man den Bauchnabel nach innen zieht (vorausgesetzt man kann das), beweisen übrigens die vielen Spiegel die im Fitti-Fitti-Raum hängen. Man sieht sonst aus wie ein Hängebauchschwein.

Nach diesem Pilateskurs habe ich jetzt Muskelkater im Hintern, in den Oberarmen und im Rücken (ganz sicher ist das allerdings nicht, weil es sich vielleicht um Spätfolgen des Hot Irons handelt). Vielleicht mache ich das Ganze noch 29 Mal, ich würde gerne mal wissen, wie so ein neuer Körper aussieht. Ach ja, weitere Abzüge gibt’s für’s Pilates trotzdem, denn hier kann man sich nicht die letzten 10 Minuten auf die Matte klatschen und komische Überlegungen über das Fitti anstellen.

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