Dancing in the streets

Tanzbare Musik ist das Thema der Woche. Und das ist schwierig, denn eigentlich kenne ich viel zu viel tanzbare Musik (die aber keinen gängigen Tanzstandards entspricht), um mich da auf etwas festzulegen und ich tanze eigentlich nie. Was daran liegt, dass ich selten Lust habe mich in finsterster Nacht in Clubs zu begeben (als ob Bonn welche hätte), in denen man tanzen kann. Generell bin ich selten abends aus.

Schlimme Sache, bemitleiden Sie mich bitte. Das sah mal anders aus, ich war mit fast 16 das erste Mal auf einer komischen Party. Weil es da, wo ich mit fast 16 wohnte, keine Clubs und keine Discos gibt, musste man sich in Hallen quetschen lassen, wo engagierte Jugendgruppen irgendwelcher Vereine, für 2 Euro Bier zapften und Alcopops zu überteuerten Preisen raushauten (Longdrinks waren vom Ordnungsamt verboten, weil zu viel und zu harter Alkohol und sowas). Später war ich selbst mal für zwei solcher Partys verantwortlich und ich kann mich bis heute nicht für sie erwärmen, ich kann mich noch nicht mal aus ironischen Gründen für sowas begeistern.

Dort musste man dann zu Bryan Adams – Summer of 69, diesem saunervigen Played alive vom Safriduo und natürlich dem Dirty Dancing Klassiker – I had the time of my life tanzen. Das versteht man im Sauerland unter „total hip“. Dass das Safriduo mit seinem Lied von 1999 damit der aktuellste „Partyklassiker“ war, lasse ich jetzt mal unter den Tisch fallen. Natürlich gab’s auch die aktuelle Chartkacke. Meine Tanzmusiksozialisation erfolgte daher mit Musik, die ich nicht mag. Daher kommt wohl auch meine Tanz-Abneigung.

Da ich just am vergangenen Wochenende nach langer Zeit mal wieder tanzte, trifft sich das Thema trotzdem ganz gut. Wir rekapitulierten musikalisch die Reisezeit nach dem Abi (wir waren in Bulgarien, von den Hardcoresäufern liebevoll „Bulle“ genannt). So tanzte ich dann zu Low von Pitbull (ich war relativ jung und relativ betrunken) und anderem Zeug, das ich privat auch nicht hören wollen würde. Ich werde aggressiv, wenn ich schlimme Musik hören muss (diese Worte tippe ich gerade mit der größtmöglichen Aggression in die Tastatur – im Hintergrund läuft zu Recherchezwecken das schreckliche Safri Duo Lied).

Ich präferiere eigentlich zu so etwas wie 60er Jahre Musik zu tanzen oder tatsächlich zu diesem Indiescheiß, den ich auch sonst höre. Problem: 98% meiner Freunde behaupten, man könne zu dieser Indiescheißmusik nicht tanzen und Partys mit 60er Jahre Musik hätten – meines Wissens nach – einige Interessenten, nur gibt es sie nicht. Also muss ich weiterhin zu aktuellen Charthits „abhotten“. Das bedeutet dann wiederum, dass ich es nicht tu.

Dennoch finde ich immer wieder Songs, die ich als tanzbar erachte. Martha & The Vandellas mit Dancing in the Streets z.B. oder Metronomy mit The Bay oder The Look. Es würde wahrscheinlich sogar coole Clubs geben, die sowas spielen würden. Aber erstens wohne ich in Bonn, wo sowas nur einmal im Monat stattfindet (und just da habe ich keine Lust, keine Zeit oder gerade einen Igel kennengelernt), und zweitens habe ich ja keine Freunde, die meinen Tanzmusikgeschmack teilen. Ich bin so ein bemitleidenswerter Mensch, bitte spenden Sie für mich.

So zum Abschluss kommt dann auch das Lied, was ich aktuell zum „abhotten“ nutzen würde, würde ich abhotten:

Foster the people – Call it what you want (Die GEMA möchte nicht, dass wir das als Studioaufnahme genießen können, deswegen eine Liveperformance.)

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Naja, selbst in Oldenburg gibts Clubs wo 60ies Soul und Funk Abende veranstaltet werden, dann wirds sowas in der ehemaligen Hauptstadt doch wohl auch geben..?

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    • natürlich gibt es die auch in der ehemaligen bundeshauptstadt, in einem shabby club namens blow up, der früher mal ein rotlichtetablissement war. das problem am blow up ist, dass da selbst für raucher die luft unerträglich ist, dass man selbst um 3 uhr nachts noch draußen anstehen darf und dass da tanzflächenmäßig nicht allzu viel geht. ansonsten gibt es schon noch drei, vier läden in denen das möglich ist. es liegt wohl auch eher daran, dass mir regelmäßig bestätigt wird, wie scheiße ich beim tanzen aussehe (möglicher weise geht das mit dem yoga im fitti wieder weg) und dass ich ungern alkohol trinke. außerdem sind mir sehr viele menschen unsympathisch (einfach so, im internet mag ich sie)…ich bin wahrscheinlich einfach nur nicht clubkompatibel…muhahahaha. (oh, jetzt lesen meine facebookfreunde wieder, wie schlimm ich über mein leben denke und sind schockiert).

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