„Das Handy zu bedienen ist schon viel. […] Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen.“*

* Thx to Michael Glos.

Ich war eines von diesen Kindern. Diesen schrecklichen Kindern, die mit 12 Jahren schon ein Handy hatten. Heute ist das ja alles gar kein Problem mehr, da bedienen 3-jährige schon iPhones und werden wie automatisch damit ausgestattet. Im Sommer 2001 als ich zwölf Jahre alt war, war das noch anders.

Da musste ich in zwei von drei Hauptfächern eine zwei schaffen. Schaffte ich, wenn auch lustiger Weise in Mathe und Englisch und nicht in Deutsch (wo ich mir in dem Halbjahr zwischenzeitig und unerklärlich meine erste und einzige Fünf abgeholt hatte). Belohnt wurde das mit einem Siemens C35 und möglich wurde es auch nur, weil meinem Vater im Urlaub sein Handy geklaut worden war und er sich übergangsweise mit einem Prepaidhandy aushalf. Weil da seine Vertragssimkarte aber nicht reinpasste, wanderte das Siemens C35 in meinen Besitz. Krasser Weise hatte es trotz schwarz-weiß Display sowas wie einen Internetanschluss, auch bekannt als wap. Ich benutzte das Teil nur zum simsen. Aus heutiger Sicht echt armselig.

Aber mit meinem C35 war ich erst mal die Queen. Ich war die zweite der Klasse, die ein Handy hatte. Dass das nicht Nokia war, war natürlich suboptimal, aber es begründete meinen Status als Außenseiternerd (hahahahahahahahahaha, nicht). Ich erinnere mich, dass auch das C35 Spiele hatte, aber die waren total doof. Ich hatte aber eine Handytasche von Nici, in die man heute bestimmt 3 iPhones stecken könnte. Das Jambasparabo ward noch nicht geboren, denn man konnte neue Klingeltone nur selbst, durch ein Klingeltoneditor basteln (ich war klug genug, um „Alle-meine-Entchen“ einprogrammieren zu können).

Ein Jahr später erlag ich mal wieder meiner geliebten Streetcredibility. 75% meiner Klassenkameraden hatten mittlerweile ein Handy und in 70% der Fälle war das ein Nokia (soweit zumindest meine Erinnerung). Nokias waren auch keine besseren Handys als alle anderen, aber sie hatten einen ganz entscheidenden Vorteil: man konnte Snake auf ihnen spielen. Ich glaube, der Nokia-Hype der frühen 00er Jahre begründet sich einzig und allein auf der Tatsache, dass auf dem Ding Snake installiert war. So brauchte auch ich ein Nokia und nervte meine Eltern ziemlich lange. Vortrefflich war da eigentlich nur, dass meine Mutter noch kein Handy hatte und daraufhin mit meinem alten Siemens abgespeist wurde. In einem Anfall frühkindlicher Prägung konnte ich die Handynummer nicht vergessen und auch die PIN nicht. Das rettet meiner Mutter regelmäßig den Arsch, wenn sie den Zettel mit der PIN mal wieder vergessen hat, denn ja, dieses Prepaidding gibt es seit 2001 und es lebt noch, ebenso wie der Handyvertrag meines Vaters.

Ich hingegen verbrachte die Sommerferien damit immer neue Snakerekorde aufzustellen. Weil man beim Nokia 3330 sogar durch die Wände fahren konnte, schaffte ich es irgendwie bis 3000 zu kommen. Aber sonst erinnere ich mich beim Nokiading nur noch daran, dass der interne SMS-Speicher auf 10 SMS begrenzt war, weswegen man tolle SMS entweder abschreiben oder darauf hoffen musste, nie mehr als 10 tolle SMS im Leben zu erhalten.

Irgendwann ging auch der Nokiahype vorbei und ich verirrte mich in das finstere Land von LG, die Geschichte erzähle ich demnächst mal.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Interessanterweise ist das einer dieser vielen Früher™-Blogeinträge im Netz, der mich nicht genervt zurücklässt. Liegt vielleicht aber auch nur an dem Foto, das nicht so aussieht wie diese vielen Früher-waren-Handys-noch™-Fotos. Das Nokia 3330 hab ich jedenfalls geliebt. Elende alte Herren™.

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