La semaine 33

Montag. Bestelle um 1 Uhr 50 und 31 Sekunden etwas im Internet. Gehöre jetzt auch zu diesen verzweifelten Nachtshoppern. Stehe spät auf und mache nichts Produktives. Naja, ich gucke mir zwei, drei Mal den Bücherstapel an und bekomme Angst. Überlege, mein Studium doch noch zu schmeißen. Gehe in die Stadt, um von dem unsympathischen Kontaktlinsentypen bestätigt zu bekommen, dass diese Monatslinsen genau das richtige für mich sind. Kaufe im Eifer des Gefechts alle alnatura-Produkte des örtlichen DMs. Zudem noch eine Paprika, eklig-wässrige Tomaten und das neue Buch von Charlotte Roche. Außerdem kopiere ich in der ULB 5 Seiten des Generalanzeigers von 1939 und gebe bei der Telekom mein HTC Desire ab. Erweise Freundschaftsdienste, indem ich Fahrradreifen aufpumpe. Pumpe danach mein Fahrrad auf und fahre zum Ghettonetto, wo außer mir nur Asis rumlungern. Fühle mich deswegen elitär. Bis auf meinen Lieblingsschnuckiverkäufer arbeiten da aber auch nur Asis. Vor allem der neue an der Kasse hat’s mir angetan. Ich frage ihn was und er blafft mir ein „Bittäääääääääööööööääääää?“ entgegen, wiederhole meine Frage, er schnallt’s. Ich wünsche ihm einen guten Tag, er bohrt sich in der Nase.

Dienstag. Wieder unproduktiv. Habe zum ersten Mal in meinem Leben Angst vor Büchern. Das ist eher semi-gut, wenn 40 Bücher vor einem liegen. Statt meine Wohnung aufzuräumen, verwüste ich sie noch mehr. Überlege, ob meine Angst vor den Büchern nicht Schreibblockade ist. Ist sie wahrscheinlich. Habe enorme Angst, nicht alle Creditpoints bis zum 30.11. auf meinem Bachelorzeugnis stehen zu haben, tu da aber nichts gegen.

Mittwoch. Es ist Extremo-Tag. Trotz meiner großen Angst vor dem Mensamann begebe ich mich in die Mensa. Auf dem Weg dorthin reißt der Riemen meiner Tasche, werde nie wieder Markentaschen kaufen, die 30 Euro kosten und im Endeffekt auch nur Jutebeutel in schön sind. Hasse deswegen den frontlineshop. In der Mensa gibt es Lachs, der grauenhaft schmeckt. Gehe zur Telekom, um mein neues HTC abzuholen. Der Servicemensch duzt mich die ganze Zeit, duze zurück. Als ich ihn darum bitte, die SIM-Karte aus dem iPhone zu fummeln, meint er: „Das kostet aber 5 Euro extra.“ Möchte den Typen finden, der Telekommitarbeiter darin geschult hat, mit jüngeren Kunden „Späßchen“ zu machen, um ihn zu töten. Gehe in die ULB. Kann nicht produktiv arbeiten, weil Sebastian neben mir (das steht zumindest auf seinem Windows-Anmeldedesktop) viel zu laut auf seinen Laptop einhämmert, außerdem legt er seine Bücher auf meine. Auch ihn möchte ich töten. Gebe resigniert auf. Mein Kampf läuft morgen aus, deswegen muss ich morgen schon wieder in diese Hölle (werde nie wieder Witze über die Leute machen, die sich im Lesesaal Oropax in die Ohren stopfen, ich will auch Ohr-Frieden). Abends besichtige ich die Traumwohnung. Mit mir noch drölftrilliarden andere Menschen. Alles unsympathische bitches und bitcher. Will diese Wohnung, obwohl das Badezimmer und der Fußbodenbelag in Flur und Küche hässlich sind. Kriege Telefonnummer von der Mietgesellschaft, überlege, welche herzzereißende katzenbeinhaltende Story ich der Sachbearbeiterin auftischen muss, damit die Wohnung unsere wird. Gucke im Internet nach mehr Wohnungen. In Bonn gibt’s nur Scheißwohnungen.

Donnerstag. Lese bis 4 Uhr im Buch von Charlotte Roche rum. Bin an der Stelle, wo sie den Autounfall beschreibt. Schlafe ein und werde um 10 Uhr wach. Lese weiter. Telefoniere mit der Frau, die die Bewerbungen für die Wohnung entgegen nimmt, entgegen meiner Erwartungen, hat sie sich noch nicht für irgendeinen der anderen bitches, die die Wohnung auch haben wollen, entschieden. Soll jetzt Daten preisgeben, damit sie sieht, dass wir diese Wohnung nicht haben dürfen. Gehe in mein Bett und schlafe weiter. Weil heute dieses Buch ausläuft, muss ich in die ULB. Dort angekommen brüllt irgendsone Dozentenschnepfe Mist durch den Saal, weil ihre Fernleihen noch nicht da sind. Super. Bin irgendwann auch dran und sage, dass ich von meinem Bücherstapel nur das Buch von Herrn Hitler möchte. Versteht die Frau nicht, denn sie geht zu meinem Bücherstapel und fragt: „Wollen Sie alle haben?“, weil die Frau anscheinend schwerhörig ist, brülle ich zurück: „Nein, ich möchte nur ‚Mein Kampf‘ von Adolf Hitler!“. Been there, done that. Der Sommer ist wieder in Bonn. Die Bonner haben sich darauf nicht vorbereitet, an jeder Ecke stinkt es nach Schweiß. Ganz besonders im Kopierraum der ULB. Toll, kopiere wahllos Seiten, in denen sich Hitler über Russland auslässt und will das eigentlich gar nicht lesen. Verfalle in einen Kaufrausch und kaufe deswegen neue Handtücher. Danach kaufe ich eine neue Speicherkarte für’s Handy, die Alte ist irgendwie weg (wenn das meine datenschützende Mutter wüsste). Bei den Speichermedien fragt ein Mensch, ob USB-Sticks auch apple-kompatibel wären. Mein Hass auf die Menschheit wächst. Sowieso bin ich diese Woche ein Hardcore-Misanthrop. Entdecke, dass die erste Staffel Mad Men nur 14,99 Euro kostet. Gekauft. Kaufe außerdem noch sauteures Gesichtstonikum, von dem ich mir einbilde, dass das macht, das ich weniger Pickel habe. Habe trotzdem Pickel, aber vielleicht wären sie ohne Gesichtswasser ja noch mehr. Steige in den Bus nach Hause, wieder stinkt es nach Schweiß. So yummy. Lese währenddessen das Roche-Buch weiter. Da geht es gerade darum, dass die Protagonistin mit ihrem Mann im Puff ist. Wir wissen ja wie detailliert Frau Roche sowas immer beschreibt, habe deswegen Angst vor Mitlesern und packe meine Hand immer auf die betreffenden Stellen. Frau Roche würde bestimmt darüber lachen. Habe neuerdings einen Dosenlinsensuppenfetisch. Probiere vegetarische Linsensuppe, schnippel als Fleischersatz Räuchertofu rein, es schmeckt, wie es aussieht:

Erlebe nach langem Warten ein extrem geiles Gewitter. Es gibt kein besseres Wetterphänomen als Gewitter. Gewitter rocken. Habe nur Angst, dass gleich BOB aus Twin Peaks auf der Matte steht.

Freitag. Beende gegen 2 Uhr nachts die Lektüre des Roche-Romans. Naja. Sie spart nicht an Puffbesuchen, Wurmbefall und detaillierten Sexbeschreibungen, andererseits hatte ich Schlimmeres erwartet. Gegen 10 Uhr wache ich auf. Gegen 13 Uhr beginne ich die Wohnung umzuräumen. Hatte ich mir am Vortag vorgenommen und wow, ich mache wirklich mal was, was ich mir vorgenommen habe. Das Bett steht jetzt am Fenster und ich habe das Zimmer in Wohn-Ess- und in Schlaf-Arbeitszimmer unterteilt. Ein Kunststück bei verfügbaren 20m². Das Wohn-Ess-Zimmer ist jetzt sehr dunkel, weil es durch Regal und Kleiderschrank von der einzigen natürlichen Lichtquelle abgetrennt wird. Mir doch egal. Außerdem kann jetzt keiner mehr hier als Übernachtungsgast aufkreuzen, alles zugestellt. Ich kann sogar das Schlafsofa nicht mehr auspacken (ist auch besser so, da schläft man echt schlecht drauf). Übernachtungsgäste müssen sich daher demnächst darauf einstellen, im Hotel schlafen zu müssen (in mein Bett lasse ich nur eine sehr geringe Prozentzahl). Während der Umbauphase sehe ich Stellen der Wohnung wieder, die ich seit drei Jahren nicht mehr gesehen habe. Z.B. diese hier:

so sieht’s aus, wenn der Fernseher drei Jahre lang mit der Wand knutscht. Wobei, nein, das stimmt nicht, das habe ich bearbeitet, weil ich Angst hatte, dass Sie sonstwas von mir denken, eigentlich sah die betreffende Stelle so aus:

Nachdem ich dreimal in Folge fast von einem Regal erschlagen worden wäre, gab ich auf. Ich wohne jetzt in einem zugestellten Haufen Dreck (obwohl ich ausnahmsweise wirklich mal geputzt habe) und kann die Wohnung nur noch durch das Fenster verlassen. Hat was. Zur Feier des Tages bestellte ich mir eine Pizza und guckte mit der Nachbarin Get smart (da ich den eigentlich 2008 schon im Kino gesehen hatte, hätte ich wissen können, dass der bescheuert ist), aber ich hab wenigstens ein neues geiles Zitat gelernt, halten Sie sich fest, werde das jetzt immer in unpassenden Momenten anwenden:

„Denken Sie das Gleiche wie ich, Chef?“

„Denken Sie ‚Oh Scheiße, oh Scheiße, ich wär fast von ’nem Schwertfisch durchbohrt worden?‘ Falls das dann ja.“

Samstag. Gucke bis 2 Uhr die erste Mad Men Staffel, bemerke, wie schön der Mond vorm Fenster aussieht (s.o.). Schlafe sehr gut, renke mir nur den Rücken aus. Werde von der Sonne geweckt. Weil das Fenster arg dreckig ist, putze ich es. Gucke danach weiter Mad Men. Fahre einkaufen und finde Menschen, die das verkörpern, was ich mir unter dem despektierlichem Begriff „neureich“ vorstelle: sie stehen vorm Pfandautomaten, die Frau kaut ekelhaft Kaugummi. Der Automat nimmt keine Dosen, das weiß ich. Die aber nicht. Weil der Automat ihre redbull-light-Dosen nicht annimmt, werfen sie sie mit Schmackes durch und gucken mich dabei so an, als würden sie erwarten, dass ich sie dabei anfeuere. Gucke angestrengt weg. Als der Automat die Dosen nicht verbucht, drücken sie wie wild auf die Klingel. Der Mitarbeiter kommt, die Frau blafft ihn an: „In der Filiale da und da, da nimmt der Automat aber Pfanddosen.“ „Ja, bei uns nicht.“ „Aber der hat die Dose doch gerade genommen und nicht verbucht!“ „Nein, das kann nicht sein.“ Zum Glück haben die beiden Deppen noch eine weitere Dose dabei und vollführen ihr Kunststück erneut. „Ja, so geht das natürlich nicht.“ „Können Sie uns dann bitte unsere beiden Dosen zurückgeben?“, später sehe ich sie mit ihrem dicken Mercedes wegbrausen. Ich bin eigentlich nur im Supermarkt um die Zutaten für Pimm’s zu kaufen. Also Pimm’s No. 1, Ginger Ale (Supermarkt hat nur die Light-Version, aber muss reichen), Erdbeeren, eine Gurke, eine Zitrone, eine Orange, Minze. Zuhause friere ich einen halben Liter Wasser im Frischhaltebeutel im Tiefkühlfach (das kann dieses Dreckstiefkühlfach nämlich, Wasser frieren lassen). Nach 1,5 Stunden hole ich es wieder raus. Habe jetzt eine Eisplatte. Hole einen Hammer und schlage auf den Frischhaltebeutel ein. Macht. keinen. Spaß. Das Ergebnis ist aber lecker:

Danach gucken wir zu zweit Mad Men weiter und beschließen uns mit Pimm’s zu besaufen, sobald wir irgendeine Arbeit abgegeben haben. Dürfte noch länger dauern. Gucke 30 Sekunden (okay, 5 Minuten) „Die Alm“. Aua, das tut weh. Gucke die Reste von Pater Brown und dann die Rest-Guido-Knopp-Doku über Mauerfluchten. Rege mich über Guido Knopp auf. Liegt wahrscheinlich an seinem Vornamen oder generell nur an ihm. Danach finde ich auf arte ein Best-Of-Glastonbury und erfreue mich daran sehr. Überlege, schlafen zu gehen.

Sonntag. Wache spät auf, entgegen der Ankündigungen, ist das Wetter bescheiden. Zwischendurch wird es aber schöner. Bringe den Müll raus und überlege, welchen Mist ich zuerst schreibe. Entscheide mich für gar keinen, sondern starre weiterhin den Bücherstapel an. Hilfe! Bringe den Müll raus. Auf dem Weg dorthin sehe ich ein sehr altes Pärchen. Es geht sehr langsam, aber hach. Verfluche meine Motivation, dabei schießt mir der folgende Satz durch den Kopf:

ich schicke meiner motivation regelmäßig „willst du mit mir gehen“-briefchen und die schlampe kreuzt immer nein an!

Erheitert meine Mitmenschen, hilft mir aber auch nicht weiter. Fange an zu bügeln (soweit ist es also schon mit mir) und gucke dabei Polizeiruf. Total abstrus, aber hey, Matthias Brandt, yeah! Gucke danach das heutejournal, wo Marietta Slomka die ganze Zeit Heinz Wolf ähh heinzt: „So und Heinz hat jetzt für uns die Sportergebnisse.“ „Mehr erfahren Sie in der nächsten Ausgabe von heute mit Heinz.“ Überlege, ob ich Heinz zwangsadoptieren soll, damit Marietta ihn nicht mehr heinzen kann. Auf 3sat läuft Man on Wire, ist mir aber nicht spannend genug, gehe deswegen ins Bett und rege mich auf, dass sich diese Leute von diesem Onlineshop, in dem ich in der Nacht auf Montag eingekauft habe, sich immer noch nicht gemeldet haben. Nichts, gar nichts, niente, nada. Werde ich nie wieder was bestellen da. Affen sind das.

Herzlichen Glückwunsch an alle, die es bis hier hin geschafft haben. Nehmen Sie ein Blatt Papier, schreiben Sie darauf: „Ich bin ganz toll!“. Nehmen Sie Tesafilm und kleben Sie sich diesen an Ihr Hinterteil und zwar so, dass Sie danach den Zettel dranpappen können. Oder machen Sie ein eigenes Blog auf, von mir aus ein ellebil-hater-Blog, Tipps wie man eine Hateshow richtig gut macht, gibt Ihnen sicherlich Serdar Somuncu. Danke.

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  1. Ach je, Prokrastinationszwang…. Versuchs mal mit kleinen Schritten… lies morgen eine Seite Mein Kampf und schreibe eine halbe Seite Notizen, danach darfst du dann gerne wieder mit Chips und Mad Men abtauchen….

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