Liebe zukünftige Elite Deutschlands,

es ist mir eigentlich scheißegal, wie ihr euer Studium finanziert. Ob ihr anschaffen geht, ob ihr das seid, die meine Bestellungen im Café nicht richtig aufnehmen könnt oder ob ihr irgendwo still heimlich und leise Traubenzucker und weißen Pfeffer zu gleichen Teilen gemischt an 13-jährige vertickt. Irgendwie muss man sein Studium ja finanzieren oder die Zweitfrau oder den Menschen, der den Zahnstein entfernt. 

Was mir aber weniger egal ist, ist, wenn ich aktiv in eure Geschäfte mit einbezogen werde. So wie am Montag. Montag war ich hormonell verwirrt, allein deswegen tat mir die Spezies „nen-festen-Job-nö-aber-immer-nur-imaginäres-Toastbrot-ist-auch-blöd-oh-toll-ein-draußen-Promoting-Job“ leid. Manchmal tut ihr mir wirklich leid. Glaubt ihr nicht? Ist auch besser so. Dann spinnen wir diese Geschichte halt mal imaginär weiter.

Ich war im Zeitungskiosk und kaufte mir die Zeitungszeugen (sie merken wie wahnsinnig imaginär das ist, als ob ich mir die Zeitungszeugen kaufen würde! Auch wenn sie momentan nur einen Euro kosten). Danach trat ich in das feindliche Bonner Januarwetter. Es regnete. Ein junger Mann stand am Kaiserplatz und sah leicht heruntergekommen aus. Ich überlegte, ob er vielleicht Zeitungen verkauft. Tat er nicht. Er wollte, dass ich einen von fünf Mini-Coopern gewinne. Ich dachte, nicht mit meiner Adresse. Er sagte: „Ich brauche deine Adresse gar nicht.“

Dumm wie ich war, gab ich dieses Mal meine wahre Handynummer an. Ich werde selten angerufen, vielleicht war es ein verzweifelter Hilferuf meiner Seele. 5 Minuten später hatte mein durch hartes universitäres Arbeiten geschundenes Gehirn verarbeitet, dass ich mich gerade der üblen Coldcallmafia freiwillig ausgeliefert hatte und jetzt jede Minute mit einem Anruf eines Nerds rechnen musste, den man in seinem Kellerloch gelassen, ihm aber WoW abgenommen hatte. Mich grauste es, doch der Nerd ließ mich zwei Tage in Ruhe.

Dann schlug er zu. Es war 9.38 Uhr an einem Mittwochmorgen als er mich aus den tiefsten Träumen klingelte. Eine mir unbekannte Handynummer leuchtete auf dem Display auf. Da ich zur Zeit stündlich auf wichtige Anrufe warte (aber mich ruft ja niemand an), ging ich in gutem Glauben ran. Es meldete sich irgendein Mensch, der angeblich bei einem Frankfurter Verlag arbeitet und mit Abstand das Widerlichste ist, was mir bislang am Telefon begegnet ist (okay, wirklich viele widerliche Menschen haben meine aktuelle Handynummer auch nicht). Das er widerlich ist, offenbart allein schon die Tatsache, dass er mich um 9.38 Uhr MORGENS ernsthaft fragte, ob er mich gerade auf der Arbeit stören würde?

In einem ekelhaft widerlichen Ton säuselte er mich zu, fragte nach, ob ’seine Jungs‘ mich denn auch freundlich behandelt hätten und eröffnete mir dann, dass ich statt eines Mini Coopers eine von 100 Badereisen in die Türkei gewonnen hätte. Vorher fragte er mich übrigens was dieses „HeiWei“ wäre, das ich als Job angegeben hätte? Etwa etwas beim Fernsehen? Ich belehrte ihn, dass es „HiWi“ heißt und er wahrscheinlich HiFi meinte (was allerdings auch kein Job beim Fernsehen ist). Wahrscheinlich wollte er nur sichergehen, dass ich ihm nicht irgendein investigativ recherchierendes Journalistenetwas auf die Pelle schicke.

Zurück zu meiner Badereise in die Türkei. Ich antwortete, dass ich an dieser kein Interesse hätte und generell auch nur aus hormonellen Gründen des Mitleids am Gewinnspiel teilgenommen hätte. Daraufhin erging eine mit Hass erfüllte Tirade aus Galle, Schutt und Asche über mich. Ein Aggrolottevideo ist nichts dagegen. Ich wünschte dem guten Herrn daraufhin einen Guten Tag und legte auf. Einige Stunden später suchte ich in Telekomcity, the home of the Klingelstreichmafia, einen Fernsprecher auf, warf 90 Cent hinein, wählte die Nummer, die mich morgens angerufen hatte („Sehen Sie? Ich bin gar kein Coldcaller, ich schicke Ihnen meine Nummer“), wartete bis dass die Mailbox des Herren dranging und ließ dann den Hörer baumeln, da ich kurzfristig keinen Chinaböller auf dem Schwarzmarkt der 13-jährigen hatte auftreiben können, war die Aktion eher etwas für den Ausgleich seines Karmakontos statt einer endgültigen Entscheidung darüber, ob ich direkt die Hölle oder vorher noch mal eine Gratisfahrt durch das Fegefeuer verdient habe.

So liebe zukünftige Elite Deutschlands, vous fragen sich bestimmt gerade, was genau mein Problem ist? Kriegt doch bitte einfach auf die Kette, dass jegliches Flyer-Verteilen oder Gewinnspielandrehen niemanden glücklich macht, ihr euch den Tod holt, meine Hormone verrückt spielen lässt und außerdem der blöden Gewinnspielmafia noch mehr Geld in den Rachen spült. Allerdings hege ich den Verdacht, dass dieser Mensch, der mich zu diesem Gewinnspiel nötigte, gar nicht wirklich studiert hat, aber lassen wir das außen vor: Lasst die Scheiße einfach sein. Danke.

Die Frau, der ihr demnächst Hartz IV bezahlen dürft und die einen Großteil davon bei den Nachfolgesendern von 9live lassen wird, weil sie immer ganz viel Mitleid mit den nackten Frauen im Fernsehen hat.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Ellebil,
    auch ich frage mich schon lange, was für ein (schlechter) Mensch man sein muss, um sich solch bösen Machenschaften hinzugeben. Ist es die paar Euro Wert, seine Seele zu verkaufen? Wie finden diese Menschen nachts ihren Schlaf? Hervorheben möchte ich hier alle Mitarbeiter des Deutschen Videorings, der seit ein paar Jahren nun auch Zeitschriften-Abos vertickt. Aber nein. Sie bekommen die Zeitschriften natürlich kostenlos. Ja schon… Da steht ein Preis. Aber doch nur, weil wir einen alten Vordruck benutzen. Das kostet wirklich nichts. Und ihre Kontodaten brauchen wir auch nur zur Überprüfung. … Ist klar. Schmorrt in der Hölle!

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    • Eben um diesen Deutschen Videoring handelte es sich, grandioser Weise gab ich weder Kontodaten, noch Adresse an und stehe in keinem Telefonbuch. Die müssten also erstmal meine Kontodaten herausfinden, um irgendwas bei mir abzubuchen und ich glaube, da hätten sie dann wenig Erfolg.

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