Potsdam

Nachdem ich Anfang Juli mal für ein Wochenende da war, wollte ich da noch mal hin. Auch wenn dieses Städtchen (denn ja, Potsdam ist Landeshauptstadt von Brandenburg und hat ne riesige Menge protziger Kästen in den Stadtgrenzen rumstehen, aaaaber großstädtisch sieht das da nicht aus, auch wenn irgendwelche DDR-Fritzen das durch Plattenbauten, die zwar inzwischen angestrichen wurden, dadurch aber nur minimal besser aussehen, ändern wollten) im sagenumwobenen Osten liegt (aber interessanter Weise ja westlich von Westberlin).

Also begab ich mich mit dem exilsoester in diesen „Teil“ von Deutschland, den ich in fast 24 Jahren Existenz auf diesem Planeten noch nie wirklich erkundet hatte (ich war allerdings auch noch nie in Baden-Württemberg, dem Saarland, Bremen und wirklich nur aus Versehen in Rheinland-Pfalz und Hessen).

So, an dieser Stelle lasse ich dann Bilder sprechen (und erkläre evtl. auch was zu ihnen).

Das ist der Fahrländer See, einer der 8000 Seen um Potsdam herum. Er wird für die Fischzucht genutzt, wie ich auf einer 4-stündigen Bootsfahrt zusammen mit 180 weiteren Rentnern lernte. (Sollten Sie mal in Potsdam sein und Boot fahren wollen, die 1,5 Stunden Tour sollte vollkommen reichen.)

Friedrich Wilhelm III. (nur reinzufällig Namenspatron der Universität an der ich studiere) hatte einen Russlandfetisch bzw. fand Alexander I. toll, weswegen er nach den Kriegen gegen Napoleon in Potsdam eine Kolonie nach russischem Vorbild für 12 verbliebene russische Soldaten bauen ließ und die Alexandrowka nannte. Die ist mittlerweile Unesco-Weltkulturerbe, mehr dazu hier.

In einer dieser Blockhütten (die übrigens gar nicht wirklich aus Holz sind) ist heute ein russisches Restaurant. Da gab es Blinys und Wostok für mich. Wostok wurde angeblich 1973 als Propagandagetränk (huch?) vom „Staatsinstitut für nichtalkoholische Getränke, Bierbraukunst und Weinbau der Akademie der Landwirtschaft“ erfunden und entwickelte sich zu einem „Wellnessgetränk in der UdSSR“ und hieß ursprünglich wohl Baikal (mein Historikerhirn wittert hier ja eine Marketingkampagne). Wostok riecht auf jeden Fall wie ein handelsüblicher Saunaaufguss, schmeckt aber.

Damit die ganzen russischen Soldaten bloß nicht vom Glauben abfallen, hatte Friedrich Wilhelm III. auch an eine russisch-orthodoxe Kirche gedacht.

Wenn man da weiter läuft landet man auf dem Belvedere auf dem Pfingstberg, von wo aus man bis nach Berlin schauen kann. Günther Jauch hat da geheiratet, das Standesamt Potsdam hat da nämlich eine Außenstelle. Weil der Aufstieg über Wendeltreppen geht, gibt es ein ausgeklügeltes Ampelsystem, das regelt, wer wann rauf bzw. runter darf. Weil die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten leider verbietet im Belvedere zu fotografieren, gibt es hier keine Fotos, sondern nur ein Lennéscher Einfall (Herr Lenné ist übrigens in Bonn geboren worden, merken Sie was?).

Wenn man den Pfingstberg, auf dem dieses Belvedere steht, an der richtigen Seite herunter läuft, landet man irgendwann am Gefängnis Leistikowstraße 1. Und war ein Gefängnis der sowjetischen Spionageabwehr. Der jüngste Inhaftierte war 12 Jahre alt. Die Gedenkstätte ist ziemlich bedrückend, aber in jedem Fall dringend einen Besuch wert.

Zeitlich ging’s dann wieder etwas weiter zurück ins Jahr 1945. Schloss Cecilienhof ist das letzte Schloss, dass die Hohenzollern in Potsdam gebaut haben. Es wurde erst kurz vor dem 1. Weltkrieg fertig und beherbergte den soon-to-be Kaiser Friedrich Wilhelm Victor August Ernst von Preußen. Wurde dann leider nichts mehr und 1945 nutzten dann die Alliierten das Schloss, weil ihnen Berlin zu kaputt war. Stalin reiste mit nem gepanzerten Zug an, den angeblich 15.000 Soldaten der russischen Armee auf der Reise bewacht haben sollen. Noch mal zurück zu den Hohenzollern, sollten Sie sich für die interessieren, im ZDF lief vergangenen Dienstag ein relativ unkritische Doku (keine Ahnung, ob die länger als 7 Tage online verfügbar ist) über die aktuellen Hohenzollern, wenn man deren Familiengeschichte kennen lernen will reicht’s aber.

Weiter ging’s durch den Neuen Garten zurück zur Alexandrowka. Auch im Neuen Garten gibt’s eine Orangerie.

Mein Lieblingsfoto ist allerdings dieses hier. Mehr oder weniger große Hohenzollern mit dem Jahr, in dem sie aufgehört haben zu regieren (bei zwei von dreien auch das Todesjahr)  nett mit Straßenmalkreide porträtiert. Gab’s am Neuen Palais zu sehen.

Sollten Sie irgendwann auch mal beabsichtigen nach Potsdam zu fahren, kann ich Ihnen unsere Unterkunft durchaus weiterempfehlen. Hier eine der drei Terassen, die zur 40m² großen Ferienwohnung gehörten.

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