Reden hilft – Alltagssexismus

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Abgründe des Alltags / Ernst / ma vie et moi

Inspiriert von kleinerdrei, Frau Dingens und KatiKürsch.

Ich muss sagen, ich persönlich habe in den letzten Jahren kaum noch Erfahrung mit Street Harrassment gemacht. Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass ich abends wenig aus dem Haus gehe und mich eigentlich (wenn auch ungern) ständig in Menschenmassen bewege. Dennoch habe auch ich in meinem Leben diverse Erfahrungen machen “dürfen”.

Die eindrucksvollste war wohl die, als ich in Köln mit 15 in einer Buchhandlung stand, ein älterer Herr sich mir von hinten näherte und Spaß daran hatte, meine Hüfte anzufassen und sich an mir zu reiben. Fluchtmöglichkeit gab’s mangels Büchertisch vor mir nicht. Das Ganze geschah so schnell, dass ich erst realisierte, was das war, als der Mann sich schon aus dem Staub gemacht hatte. Vergessen habe ich es bis heute nicht.

Eines Abends im Sommer, nach einer Party ging ich mit einer Truppe Mädchen nach Hause. Wir kamen an ein paar Jungs vorbei, die uns offen ihre Liebe bekundeten: “Ey, isch beschütz disch!”, “Ey und isch, isch fick disch!”, auf die Antwort: “Haltet eure Klappe!” kriegte ich dann mit ziemlicher Wucht ein Feuerzeug gegen das Bein geschossen. Und wir beeilten uns eigentlich nur noch, dass wir weg kamen.

Das sind zwei Geschichten. Es gibt sicherlich noch viel mehr, die ich verdrängt habe, weil in unserer Gesellschaft wenig darüber gesprochen wird, was Alltagssexismus ist. Daniel macht bei kleinerdrei in den Kommentaren einen ziemlich guten Vorschlag, wie ich finde:

“hab respekt! flirten oder jegliche form der kontaktaufnahme ist nicht sowas wie dein »recht«, es »steht« dir nicht »zu« und du darfst es »ausüben«. nimm also nicht für selbstverständlich, dass irgendjemand mit dir reden möchte. wenn du dann doch jemanden ansprechen möchtest: sei nett, höflich, freundlich und gib dem gegenüber nie das gefühl, dass er nur zu deiner persönlichen bespaßung da ist. wenn du ernsthaft an jemandem interessiert bist, kannst du durch freundliches auftreten und ansprechen das auch vermitteln. wenn die andere person jedoch signalisiert (und auf diese signale muss man achten), dass er_sie nicht möchte, dann muss man das immer ernst nehmen und sich zurückziehen. und oft kann man diese signale schon vor der kontaktaufnahme lesen. eine person, die nachts alleine schnellen schrittes durch eine leere straße huscht, sendet für mich nicht die signale aus, angesprochen zu werden. deswegen hätte ich auch keinen grund ihr deshalb hinterher zu laufen.”

Und dann sollten wir darüber reden, was wir als Sexismus wahrnehmen. Reden hilft nämlich.

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