Schwimmend durch Bonn (1): Das Melbbad

In Städten mit Häfen hätten die Menschen noch Hoffnung, soll Bernd Begemann mal gesagt haben. Bonn hat einen Hafen und folglich auch einen Fluss. Einen recht großen Fluss sogar, der momentan alles flutet. Der Fluss ist allerdings übel und gefährlich, weswegen die Stadt Bonn jedes Jahr davor warnt, sich in eben diesen zu begeben. Ich lasse das auch meistens.

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Hierbei handelt es sich um eine gefährliche Ausnahme, die unter gar keinen Umständen nachgemacht werden darf! Haustiere haften für ihre Besitzer.

Will man sich also im Sommer abkühlen, sollte man Vater Rhein links liegen lassen (oder nur die Füße reinhalten, wie zum Beispiel in der Strandbar direkt unter der ULB). Stattdessen hat die Stadt Bonn insgesamt fünf Freibäder und ein sog. Kombibad. Seitdem ich hier wohne, habe ich vier der sechs Bäder besucht. Das Römerbad bescherte mir dabei übrigens eine Stadtrundfahrt durch Tannenbusch, aber das gehört in den Post über das Römerbad, jetzt geht’s ums

Melbbad

Das Melbbad eröffnet diese Reihe, weil ich heute da war. Außerdem ist es das bislang schönste aller getesteten Bäder in Bonn (und das soll was heißen, Römer- und Rüngsdorfer Bad haben nämlich direkten Rheinblick!). Aber warum ist das Melbbad so toll? Nun, so ganz genau erklären kann ich es nicht. Es liegt am Fuße des Venusbergs, aber noch in Poppelsdorf. Bustechnisch ist es relativ gut mit den Linien 602 und 603 zu erreichen, Fahrradparkplätze gibt es wie Sand im Beachvolleyballfeld und 80 Autos finden auch Platz, der Parkplatz kostet aber einen Euro.

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Bild täuscht, so leer ist es im Melbbad selten.

Das Melbbad hat ein L-förmiges Schwimmerbecken an das ein Ein- und Dreimeterbrett drangesetzt sind. Dass da gesprungen wird, stört den Schwimmbetrieb allerdings nicht. Außerdem gibt es ein Nichtschwimmerbecken mit kleiner Rutsche und ein Planschbecken (für beides interessiere ich mich allerdings nicht besonders). An den Becken stehen Strandkörbe in die man sich kostenfrei reinsetzen darf, weil der Förderverein des Bades die gespendet hat. Man sitzt da ganz gut drin, habe ich letztes Jahr festgestellt.
Das Melbbad hat außerdem – wie schon erwähnt – einen Beachvolleyballplatz (noch nie getestet, ich mag Baggern nicht so), eins von diesen riesigen Schachfeldern und zwei schöne grüne Hügel, die ausreichend Liegeflächen bieten. So poetisch das klingen mag: das Melbbad fühlt sich ein bisschen wie diese Alltagsinsel an. Gerade noch aus dem Bus gestiegen, sitzt man eine Minute später weit ab vom Trubel auf der Wiese – und dieses Gefühl stellt sich sogar ein, wenn das Bad – wie heute – restlos überfüllt ist. Bahnen schwimmen geht dann natürlich nicht, aber abkühlen geht immer.

Schlange stehen fürs Melbbad

Schlange stehen fürs Melbbad

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An heißen Tagen heißt es auch abends noch: Slalom-Schwimmen und Schlange stehen.

Das Melbbad ist wie ca. jedes Bad ca. jedes Jahr von der Schließung bedroht. Besonders bescheuert ist das, weil es 2009 erst aufwändig saniert wurde. Leider wurde die Terassenanlage nicht mit saniert, sodass weder die vorhandenen Duschen, noch die darüber liegende Anlage besonders schön anzuschauen sind (mit ein bisschen Phantasie kann man sich allerdings Don Draper in ein aufgeräumtes Melbbad in den 60ern imaginieren). Weiteres Negativum: für die Schließfächer darf man sich ein eigenes Schloss mitbringen (sowas weiß man natürlich vorher nicht). Kleine Fächer mit Schloss für Wertsachen sind ganze 70 vorhanden, sodass man am besten nach Menschen Ausschau hält, die auf eben diese aufpassen können, während man schwimmt.

Das Melbbad ist in der Trierer Straße 59 in Poppelsdorf zu finden und hat unter der Woche täglich von 6:30 Uhr bis 20:00 Uhr und am Wochenende und an Feiertagen von 9:30 Uhr bis 20:00 Uhr geöffnet.

Schwimmbadprolldichte: ★★✫✫✫
Richtig-Schwimmen-können-Möglichkeit: ★★✫✫✫
Kulinarische Versorgung: ★★★✫✫
Lage/Umgebung: ★★★★★
Special features: ★★✫✫✫
Schließfachmöglichkeiten: ★✫✫✫
Erreichbarkeit vom Bonner Zentrum: ★★★✫✫

Musikalisch passt zum Melbbad der Summertime Blues von Eddie Cochran.

(Lieblingssongzeile: „I’m gonna take my problem To the United Nations“)

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Und vor über zehn Jahren, da hatte ich eine Dauerkarte und war im Sommer morgens fast jeden Tag da. Morgens ist auch noch leer, aber da hilft es natürlich, wenn der Freund direkt nebenan wohnt und man im Badeanzug einfach rüberlaufen kann. Hach.

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  2. Pingback: Schwimmend durch Bonn (2): Das Panoramabad in Rüngsdorf | Leben im 21. Jahrhundert

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