Handyfasten – ein höflicher Rant

Die Fastenzeit läuft schon länger und ehrlich gesagt, hatte ich keine Ahnung, was ich fasten könnte. Örtlich ansässige RCDS-Mitglieder meinten nämlich Plastik fasten sei nach Verlautbarung der katholischen Kirche kein richtiges Fasten und überhaupt, diese grünen Atheisten-Gutmenschen. Und daher stellte ich mir die Frage aller Fragen: was zur Hölle soll man bloß fasten? Sich aus dem ganzen Angebot an Dingen auf die man eigentlich gut und gerne 40 Tage verzichten könnte etwas auszusuchen ist ja etwas zu einfach. Ich zum Beispiel könnte 40 Tage lang auf schlechtes Wetter verzichten, aber erstens kann ich das nicht beeinflussen und zweitens hat das mit dem Sinn des Fastens gar nichts zu tun, denn dann könnte ich auch 40 Tage Auberginen fasten. Also suche ich lieber etwas, was man eigentlich täglich braucht. Die Leute von handysektor.de, einer Seite, die ein Projekt der Landesanstalt für Medien NRW und dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest ist, haben da eine Idee. Vielleicht einfach mal auf das Smartphone verzichten? Jetzt ist es wirklich nicht so, dass man das Smartphone ständig braucht, aber es ist schon ganz nützlich, um schnell herauszufinden, wie hoch der Eiffelturm ist. Oder, wenn einem langweilig ist, kurz etwas zu spielen. Dank Quizduell weiß ich jetzt zum Beispiel einiges mehr über die französische Küche, das brauche ich nie wieder googlen! Für solche Zwecke gibt es aber auch Bücher, Gesellschaftsspiele oder die frische Luft, das könnte man ja auch mal wieder ausprobieren. Und das gute alte Festnetztelefon freut sich bestimmt auch, wenn man es mal wieder in der Hand hat und es nicht nur mit sich selbst Staub fangen spielt. Nur eins verstehe ich am Smartphonefasten-Angebot von handysektor.de nicht: Die Redaktion will mich über Facebook, twitter und Mail bei meinem Fastenversuch unterstützen – es scheint einen schwerwiegenden Unterschied zu geben, ob ich Soziale Netzwerke und E-mails am Computer aufrufe oder per App. Welcher Unterschied das ist? Weiß ich auch nicht, vielleicht twittere ich die Leute von handysektor.de demnächst einfach mal vom PC aus an. Und im nächsten Jahr mache ich dann Computer-Fasten, da helfen mir die Experten dann bestimmt per App!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich verstehe das nicht, warum man „Handyfasten“ sollte. Mal ganz abgesehen davon, dass mir das eigentliche Problembewusstsein fehlt, ist es doch ein schönes Sinnbild dafür, dass man immer noch in Geräten denkt, obwohl es doch eigentlich egal sein sollte, ob ich etwas über Laptop, Smartphone oder Kühlschrank abrufe.

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