Männliche Studentinnenwerke

Das deutsche Volk hat anderes zu tun, als gewagte Versuche mit Frauenstudium anzustellen. Sorgen wir vor allem, daß unsere Männer Männer bleiben!

Hat angeblich mal Otto Friedrich von Gierke gesagt. Otto Friedrich von Gierke fand 1914 auch, dass der Erste Weltkrieg ein „göttliches Gnadengeschenk“ sei.

Oder:

Für manchen deutschen Professor war gar das Trinken ein Kriterium der Studienfähigkeit. Eine Frau, die bereits vier Semester in Zürich studiert, dann als Externe das preußische Abitur abgelegt und auch einen Doktorvater an der Berliner Universität gefunden hatte, wurde Mitte der neunziger Jahre (des 19. Jahrhunderts) durch den damaligen Dekan, den Historiker Treitschke, am dortigen Studium gehindert: „Ein Student der sich nicht besaufen kann? Unmöglich!“

Mein Studentenwerk heißt seit heute Studierendenwerk. Das könnte man nun zur Kenntnis nehmen und sich damit begnügen, aber nein, das ist ja himmelschreiender Genderwahnsinn!

Denn ab sofort geht wahlweise die Welt unter oder wir bemerken erst jetzt wie gut es uns geht, dass wir uns mit so lächerlichen Problemen auseinandersetzen. Die Argumente der Kritiker unter einem facebook-Posting meiner Universität sprechen da für sich. Eine Auflistung:

Wenn du von Studenten redest können sowohl nur Männer als auch eine gemischte Gruppe gemeint sein, sogar nur Frauen wenn das Geschlecht im Kontext unwichtig ist. Im Gegensatz dazu beschreibt Studentinnen ganz eindeutig eine Gruppe die nur aus Frauen besteht.

Es mag sein, dass sich Menschen, die sich selbst nicht als männlich definieren, sich im Begriff „Studenten“ wiederfinden. Ich würde aber die Vermutung wagen, dass, wenn man Menschen fragen würde, was einen Studenten ausmacht, andere Begriffe fallen würden als wenn man beispielsweise nach einer Studentin fragen würde. Umgedreht könnte man auch mal über die Begrifflichkeit „männliche Studentinnen“ nachdenken. Das wäre eigentlich das Äquivalent zu „weiblichen Studenten“, nur, dass sich das sehr komisch anhört. Warum bloß? Weil youtube-Videos so angesagt sind und es zum Thema passt:

Das Geldargument:

Diese und andere Exzesse des in Deutschland und Europa grassierenden Geschlechterwahnsinns werden sich eines Tages als unbegreiflicher, kostspieliger und beschämender Treppenwitz der Geschichte entpuppen. Oh, in welch einer sorgenfreien, paradiesischen Welt die Menschheit doch zu Beginn des 21. Jahrhunderts gelebt haben muss, da Personal, Arbeitszeit und Millionen von Euro verfügbar waren, um sich mit derart hanebüchenen Sachverhalten über Jahrzehnte hinweg zu beschäftigen. Fortschritt hurra!

Abgesehen davon, dass ich eigentlich davon ausgegangen war, dass sich Menschen, die lernen möglichst objektiv an Dinge heranzugehen, Bezeichnungen wie „grassierender Geschlechterwahnsinn“, „Treppenwitz der Geschichte“ oder „hanebüchener Sachverhalt“ sparen können. Mit dem gleichen Argument könnte man so ziemlich jedes Vorhaben einstampfen. Es ist auch nichts besonders neues daran. Man hätte vor 100 Jahren auch keine Frauen an die Universitäten lassen müssen. Man sieht ja wozu das führt, noch im Jahr 2015 hat man Folgekosten und die Jobs, die die den Männern wegnehmen! Der Deutschlandfunk berichtete mal über die äußerst kostspielige Umbenennung des Studentenwerks Konstanz in „Studierendenwerk“. Für das Ändern von Schildern und Dienststempeln sollten 80.000 bis 100.000 Euro anfallen. Die Rechnung würde ich gerne sehen und dann vielleicht mal den Finanzplan des Studierendenwerks Konstanz optimieren.

Und dann ist da noch der Vorwurf, dass derlei Befindlichkeiten doch eigentlich bloß „First World Problems“ seien. Abgesehen davon, dass First World Problems ein schwieriger Begriff ist, möchte ich eigentlich nur auf diese sehr gute Kolumne von Margarete Stokowski verweisen und noch anfügen: Ich finde, die Fokussierung auf das Wort Student marginalisiert Frauen und alle, die sich nicht als Mann identifizieren. Ich bin auch gar nicht der Auffassung, dass alles „Studierende“ heißen sollte. Ich wünsche mir nur eine Variabilität, die die Vielfältigkeit von Leuten, die studieren, abbildet. Aber sprachlich werden in meinen Augen z.B. Studentinnen nicht besonders sichtbar. Ich finde, dass das ein Problem ist. Und als „studierend“ dürften sich die meisten ja schon begreifen. Aber ja, es gibt Waldsterben, tote Kinder, Flüchtlinge und mehr und mir geht es ziemlich gut, aber darf ich deswegen meine Probleme jetzt nicht ansprechen, auf sie aufmerksam machen oder darauf hinarbeiten sie zu beseitigen?

  • Veröffentlicht in: Ernst

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