Vor etwa zwei Wochen zog Egon bei mir ein. Egon war dem Exilsoester quasi zugelaufen und weil ich Egon toll fand, lebt er jetzt bei mir. Egon ist ein amazon Kindle und ich mag ihn sehr. Egal, was die anderen sagen. Dass sind ja auch Leute, die auf Egons Display rumtatschen und denken, er würde die Seite dann umblättern. Haha. Ihr surft ja auch mit dem Internet Explorer.
Das erste Buch, das Egons jungfräulichen Körper zieren durfte, war Anke Gröners Nudeldicke Deern – Free your mind and your fat ass will follow. Und ich habe es ziemlich schnell weggelesen. Denn Egon ist optisch sehr ansprechen und das Buch von Anke Gröner erst recht (also jetzt nicht bloß optisch, sondern auch inhaltlich). Schade ist ja ein bisschen, dass Egon nicht bunt kann, aber dann würde sein Akku wahrscheinlich nicht diese wahnsinnig lange Zeitspanne halten. Sei’s drum, Egon ist trotzdem total sexy.
Und nun fällt mir keine gute Überleitung zu Anke Gröners Buch ein. Also: jetzt geht’s um das Buch. Ich lese Anke Gröners Blog jetzt schon ziemlich lange (nicht seit seinem Start irgendwann in den 2000ern, aber schon lange). Ich lese es sehr gerne, es ist quasi mein Lieblingsblog. So geht es noch vielen anderen Menschen außer mir aus dieser Onlinewelt. Und jetzt hat Anke Gröner halt dieses Buch geschrieben.
Es geht ums Essen, es ist aber weder ein Koch- noch ein Diätbuch und das ist ziemlich gut. Ich muss zugeben, ich hab nicht wirklich diese Körper-Issues wie viele andere Menschen. Das liegt aber möglicher Weise daran, dass mein Körper einer relativ gängigen Norm abstruser Idealvorstellungen entspricht. Natürlich kriege ich trotzdem gesagt, dass mein Hintern zu dick ist (von Menschen, denen das eigentlich egal sein sollte, und nein, es handelt sich nicht um Le Boyfriend). Ich bin weitestgehend zufrieden mit meinem Körperchen und mich interessieren weder Kalorien noch sonst irgendwas.
Wobei, das stimmt nicht ganz, seitdem ich Ankes Buch gelesen habe, interessiert mich schon, was für ein Mist in meinem Essen steckt. Wie pervers ekelhaft eigentlich Dosenfutter ist und dass auch hochwertige Tiefkühlgerichte nicht so das Wahre sind. Allerdings ist mein Essverhalten eh nicht so stark aufs Selbstkochen ausgelegt. Das liegt daran, dass ich sehr ungern abspüle, weswegen die Küche meist ein Herd für Schimmelpilze ist (20 Euro in die Kalauerkasse). Nur, dadurch esse ich ja diesen ganzen Mist. Und dann natürlich unser aller geliebtes Mensaessen: mhm… ich glaube nicht, dass man für 90 Cent, die die Hauptkomponente in der Mensa kostet, wirklich was Gutes hinkriegt. Aber in der Mensa gibt es ja neuerdings auch vegane Angebote. Ankes Buch hat mir auf jeden Fall sehr viel Lust darauf gemacht, endlich mal selber und aufwändiger zu kochen, nur muss ich mal herausfinden, wie ich das mit meinen zwei Herdplatten anstellen kann.
Komplett verändert hat Ankes Buch meinen Blick auf andere Menschen. Ich sehe auch nicht weiter ein, weshalb diese Größe 36 das Maß aller Dinge sein soll. Warum überhaupt irgendwas das Maß der Dinge sein soll. Warum Firmen, die Diätdrinks verticken, überhaupt Geld verdienen dürfen und warum eine Gesellschaft einen extrem pervertierten Druck auf Menschen über Kleidergröße 40 ausüben muss. Warum Leute mit Stolz verkünden, es ginge ihnen so schlecht, weil sie heute noch gar nichts gegessen hätten. Man kann aber auch sagen, dass das von meinem Standpunkt aus gesehen leicht gesagt ist. Trotzdem glaube ich, dass wir uns alle mit unseren Körpern mal mehr akzeptieren sollten. Und ich fange jetzt an, nicht mehr blöd über andere Menschen zu lästern, weil sie vielleicht gerne Micky-Maus-Ohren als Haarreif auf dem Kopf tragen.
Aber dann blättert man in diesen Zeitschriften rum. Diesen Frauenzeitschriften, die einem erzählen wollen was man denn essen kann, dass man dünner wird. Wtf, essen soll schmecken und nicht irgendeinem Zweck dienen, da bin ich ganz auf Ankes Linie.
Neben den tollen Rezepten gibt es in diesen Zeitschriften aber auch die ganzen tollen “Vorbilder”, die angeblich Idealgewicht haben. Die beschäftigen für diesen Scheiß eine ganze Armada an Menschen, die ihnen dabei helfen so auszusehen. Jede dämliche Make-Over-Show beweist, dass man aus jedem Menschen mit ein paar Zeitgeist-Klamotten, etwas Schminke und nem neuen Haarschnitt jemanden machen kann, der auf dem Frontcover einer Zeitschrift lächelnd auf einen hinabblicken kann. So what?
Besonders amüsant an diesen Zeitschriften ist aber auch noch etwas anderes: sie führen ja ganz gerne auch berühmte Persönlichkeiten vor, die dieses tolle Idealgewicht mal hatten und jetzt angeblich auseinander gehen. Ein Beispiel dazu: ich hatte kürzlich Besuch von einer Freundin, die sich als Reiselektüre eine Zeitschrift namens Life & Style gekauft hatte. Darin wurde Christina Aguilera fertiggemacht, die ja angeblich total zugenommen hätte. Bei einer Körpergröße von 1,56 Metern mit einem Gewicht von (angeblich!) 73 Kilogramm.
Interessanter Weise stand in der Klatschzeitschrift der Freundin meiner Freundin, dass es lediglich 63 Kilogramm seien. Wie auch immer die Leute das in den Redaktionen schätzen, sie können es anscheinend nicht. Gleichzeitig wird in dieser Frauenzeitschrift für mehrere Abnehmmethoden geworben. Wir hätten da einen “Stoffwechsel-Aktivierer”, der angeblich Fett schmilzen lässt und von der Universität Freiburg als grandios getestet wurde. Angepriesen wird das Ganze als “Bikini-Notfall-Plan”. Anscheinend verkauft sich das Zeug von alleine, denn ich frag mich ja, wer genau jetzt gerade eine Bikinifigur braucht.
Christina Aguilera schwört angeblich auf Hypnose, im selben Artikel ist aber auch von 300 bis 500 Sit-ups die Rede. Dann gibt’s auch noch Tipps wie man sein Gesicht schlanker schminken kann und selbst in den Horoskopen wird mindestens zwei Sternzeichen direkt erzählt, dass man ja jetzt noch mehr Sport machen könnte.
Interessanter Weise werden dann in der Rubrik Foodweek Bananen-Crêpes mit Schoko-Sosse angepriesen, mit denen man sich glücklich essen kann. Und warum, “weil sie viele Kohlenhydrate enthalten. Diese dienen als Transporter für Serotonin. Sie schleusen es ins Gehirn, wo es euphorisierend wirkt.” Ach ja, interessant, sonst sind Kohlenhydrate doch immer die Pest?!?
Kommen wir zum Abschluss: Lesen Sie bitte Anke Gröners Buch!

Kommentare
[…] Buch aufmerksam geworden bin ich durch ellebils Blogpost und wenig später fand sich die elektronische Ausgabe des Buches auf meinem Kindle wieder. […]