Autor: ellebil

Galaterbrief Kap. 6 Vers 7

Normaler Weise habe ich da ja extra einen tumblr für. Aber diesem Leserbrief wollte ich dann doch noch mal besondere Aufmerksamkeit schenken.

leserbrief

Mit bestem Dank an ß, der immer fleißig für mich mitsucht.

Eine Landjugend

Inspiriert von Patschbella und dem jawl.

Erst heute morgen sinnierte ich wieder darüber, was besser an meiner Heimat ist. Da ist man Schnee gewöhnt. Ein klarer Vorteil jetzt gerade, sonst aber eher zu vernachlässigen. Vorteile an der Heimat zu finden ist schwierig. Allein das Wort Heimat erweckt in mir kein Gefühl von “zuhause sein, ankommen, sich geborgen fühlen” (urgs) es ist viel mehr das, was ich durch Heimatfilme über Heimat erfahren habe: alles ist gut, solange man nichts ändert. Der Revolutionär macht Heimat nur kaputt. Ich kann bis heute nicht besonders gut verstehen, warum sich Menschen nach einer angeblichen Heimat sehnen, die ihre Großeltern schon vor 70 Jahren verlassen mussten.

Heimat also. Da, wo ich herkomme, fallen davor die zwei Wörtchen “Glaube” und “Sitte”. Glaube also, den gibt’s in der Heimat in ausgeprägter Form. Ungetaufte Menschen habe ich erst im Studium kennengelernt. Religion ist in der Heimat wichtig, Protestanten sind komisch. Das sind die, die in der katholischen Grundschule während des Religionsunterrichts in den Ruheraum gesperrt wurden, die Muslime durften hingegen nach Hause gehen (warum und wozu diese Regelung existierte konnte und kann ich nicht so recht verstehen). Das war die Zeit 1995 bis 1999.

Sitte. Sitte ist so unwahrscheinlich wichtig. Menschen, die sich gegenseitig betrügen, sind per se schlimme Menschen. Mit denen redet man nicht mehr, man redet nur noch über sie. Schwule und Lesben gibt es gar nicht und wenn es sie doch geben sollte, dann hat man besser nichts mit ihnen zu tun, denn sie kommen in die Hölle und anfassen sollte man sie auch nicht [es gab mal einen schönen WDR-Film über genau diese Thematik, aber der ist wohl leider der Depublizierung zum Opfer gefallen] und was für verirrte Seelen sind bitte Transgender?  Wie Rainald Grebe in “1968” so schön singt:

“Vorher waren alle Menschen froh, alle Menschen waren hetero, weil Schwulsein ja eine Krankheit war und da war keiner krank, Gott sei Dank!”

Wenn ich mir das Lied so anhöre, dann passt es auch noch heute auf große Teile der Glaube-Sitte-Heimat-Region. Wo die katholische Kirche das Non-Plus-Ultra ist. Wo man sich weigert, Kinder zu taufen, weil vor der Eheschließung mit einem Nicht-Katholiken nicht beim Pfarrbüro brav und untertänig nachgefragt wurde, ob das denn in Ordnung ist oder weil man auf die kirchliche Trauung verzichtet hat, wo man das arme Mädchen erst an einen Heiden verheiratet, wenn der mit dem Zweiten vatikanischen Konzil vorstellig geworden ist und auch nur, wenn im Gegenzug alle potentiell aus der Ehe entspringende Kinderseelen der Kirche versprochen werden.

Die CDU fährt Wahlergebnisse von bis zu 70% ein, Grundschullehrer finden, dass Kinder mit Migrationshintergrund nicht auf das Gymnasium sollen, weil deren Eltern sie mit Sicherheit nicht unterstützen können. Der alte Mathelehrer kommt mit einer Alditüte und redet vom “Türkenkoffer”. Entweder man ist im Schützenverein oder man ist nichts. Die dörfliche Solidargemeinschaft funktioniert nur in ihren eigenen Grenzen und wer die nicht so recht akzeptieren mag, der wird halt nicht zum Kindergeburtstag eingeladen. Jeder kennt jeden über irgendwelche Ecken. Hat man es sich also mit dem einen verscherzt, dann wird es schwierig, irgendwo anders neuen Anschluss zu finden – die Welt ist hier eben wirklich ein Dorf.

In diesem Klima gibt es natürlich auch Andersdenkende, aber das sind die, die gehen sobald sie können. Und die auch erst mal nicht wieder zurück kommen wollen.

Blogantworten V

Und auch 2012 kamen wieder großartige Fragen über google hier her, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchten.

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2012 in der Statistik

Mehr Transparenz, bitte, hieß es bei Frau Schüßler und weil Die WordPress.com-Statistik-Elfen netter Weise vollkommen kostenlos einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 angefertigt haben, ging das auch vergleichsweise einfach.

Hier ist ein Auszug:

4.329 Filme wurden beim Cannes Film Festival 2012 eingereicht. Dieses Blog hatte 14.000 Besucher in 2012. Wenn jeder Besucher ein Film wäre, dann würde dieses Blog 3 Film Festivals füllen

Hier klicken um den vollständigen Bericht zu sehen.

Auslese

Ich habe mir keine Vorsätze für das neue Jahr gemacht, finde aber gerade den Gedanken spannend, mich dazu zu motivieren, mindestens ein Buch pro Woche zu lesen. 52 Bücher sollten dieses Jahr machbar sein (vor allem, weil es im letzten Jahr irgendwie nur fünf waren, die ich dann wirklich auslas). Hier also die Auslese von November bis jetzt gerade so. (mehr …)

Jahresendzeitfragebogen 2012

Zugenommen oder abgenommen?
Es interessiert mich nicht. Ich passe noch in alles rein und mag mich.

Haare länger oder kürzer?
Nachdem ich mir nach diesem Friseurbesuch eigentlich geschworen hatte, meine Haare mindestens bis in die Kniekehlen wachsen und Friseure links liegen zu lassen, nervten sie mich im Mai dann ganz gewaltig. Hinzu kam, dass ich die erste Folge der fünften Mad Men Staffel und Megan Drapers bezaubernde Haarpracht sah. Statt weiterhin beim Billigfriseur die Spitzen schneiden zu lassen, setzte ich mich vor talentierte Hände und mag die Frisur jetzt recht gerne, auch wenn sie gerade wieder länger wird, aber es ist schließlich sowas wie Winter draußen, da darf das auch sein.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Statt mal nachgucken zu lassen, ob meine Kontaktlinsen perfekt für mich sind, laufe ich jetzt seit 1,5 Jahren mit ihnen rum. Da ich bislang alles noch recht gut erkenne, keine Kopfschmerzen bekomme und m. E. keine größere Gefahr für den Straßenverkehr darstelle als sonst auch, nichts von beidem. Allerdings wollte ich mir demnächst mal wieder eine neue Brille zulegen.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Da ich 2012 mal wieder einen Nebenjob hatte bzw. ihn auch immer noch habe und jetzt sogar noch mehr arbeite, habe ich auch mehr Geld und folglich auch mehr Geld ausgegeben. Weniger Geld habe ich seit Jahresmitte allerdings für Zigaretten ausgegeben.

Der hirnrissigste Plan?
Ich hatte dieses Jahr wenig Plan, mehr so: schauen wir mal, was alles geht.

Die gefährlichste Unternehmung?
Mich zwei Wochenenden hintereinander mit Seniorenstudenten und anderen nicht besonders angenehmen Menschen in einen Bus zu setzen und zu denken, dass ich am Ende der Fahrt nicht vollkommen ausraste. Ich bin nicht ausgerastet, aber fast wäre ich es. Außerdem werde ich nie wieder jemandem glauben, dass er eine “Zäpfchenschwellung” hat. Eingehende Studien meinerseits haben ergeben, dass es diese Krankheit gar nicht gibt.

Die teuerste Anschaffung?
Das iPad. Aber allein die Tatsache, dass auf ihm Homeland gucken am meisten Spaß macht, lohnt den Kauf voll.

Das leckerste Essen?
Öff. Öhm. Achso, ja, immer wenn ich hier war, hat es richtig gut geschmeckt.

Das beeindruckendste Buch?
Wenig gelesen, noch weniger rezensiert und das, was rezensiert wurde, ist nicht besonders gut weggekommen (das hier ist schließlich ein Aggro-Service-Blog). Nicht rezensiert habe ich Philip Roth – Nemesis [kein affiliate-Link], das ich in der Originalfassung gelesen habe und wegen Sätzen wie diesen für gut befand:

That box from which you cannot force your way out. That box in which a twelve-year-old was twelve years forever. The rest of us live and grow older by the day, but he remains twelve. Millions of years go by, and he is still twelve.

Der berührendste Film?
Ich denke wenig in solchen Kategorien. Ich könnte noch nicht mal sagen, welchen Film ich überhaupt berührend finde. Ich weine im Kino auch nicht. Not my place to cry. Am unterhaltsamsten fand ich wohl Ziemlich beste Freunde und vor kurzem Wag the dog, der war auch gut.

Das beste Lied?
Auch dieses Jahr verrät iTunes schlimme Sachen, wenn ich das meist gehörte Lied suche, aber das, was mir am besten gefallen hat ist wohl das hier:
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=pFwDUlNkrlc]

Das schönste Konzert?
Auch hier: uff. Ich war dieses Jahr auf einem einzigen Konzert. Der Interpret hieß Bob Dylan und ich hatte etwas anderes erwartet, als dass, was ich dann letztendlich bekam. Es war möglicher Weise auch keine gute Idee, den Open-Air-Platz so aufzubauen, dass die untergehende Sonne einem total ins Gesicht knallt, wenn man zur Bühne guckt. Es tut mir Leid für mich und irgendwie auch für die Musik von Herrn Dylan, die ich eigentlich sehr mag, an dem Abend aber nichts für mich war. Stattdessen haben wir uns irgendwann Bier trinkend an irgendeinen Stand gesetzt und die Musik im Hintergrund vor sich hinplätschern lassen. Für 70 Euro Konzertticketpreis etwas dekadent und dabei haben wir dann auch verpasst, wie er Blowing in the wind gespielt hat, aber das lag wohl mehr daran, dass er es bei Konzerten gerne bis zur Unkenntlichkeit zerspielt.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Dem Radio und dabei gemerkt, dass ich das eigentlich gar nicht möchte.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
allen Menschen, die gerade da waren als ich nicht gezwungen war irgendetwas tun zu müssen.

Vorherrschendes Gefühl 2012?
Was soll das und was will ich eigentlich?

2012 zum ersten Mal getan?
Ein Buch rezensiert, damit in einer überregionalen Zeitung erschienen und dafür richtig Geld bekommen. Im Sinne von richtig.

2012 nach langer Zeit wieder getan?
Die Phase, in der ich Freundschaften per Brief beendet habe, war wieder kurz vorm Ausbruch. Das letzte Mal als ich das gemacht habe war ich 16 und so fühlte sich das auch an. Der Brief liegt allerdings vorformuliert in meinem Kopf.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Menschen, die anscheinend nur an mir interessiert sind, wenn sie sich entweder über mich aufregen können oder mich für Dienstbotenangelegenheiten einsetzen können und dennoch behaupten mit mir befreundet zu sein. Das Abtauchen von heute auf morgen. Stress in Bezug auf ehrenamtliche Tätigkeiten, die in etwa so viel Zeit in Anspruch nehmen wie ein handelsüblicher Nebenjob.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Es wäre wirklich klasse, wenn Sie dieses Projekt, das Sie vor sieben Jahren so toll fanden, mal weiter unterstützen würden, anstatt ihm ständig Steine in den Weg zu legen, weil Sie nicht wissen, dass Sie offiziell dafür zuständig sind.

2012 war mit einem Wort…?
Anstrengend, aber auch schön.

184074_3210239274194_1443231084_nHier geht’s zu 2011 und 2010.

 

Terror in Bonn?

Man sitzt in der Uni, starrt aufs Handy, sieht, dass der Hauptbahnhof gesperrt ist -wegen einer Bombe.

Man ruft bei der Polizei an, die nicht sagen kann, ob das jetzt eine Bombe war oder nicht und die einen vertröstet. Währenddessen spekulieren mehrere Medien drauf los, der Sprengmeister verrät,  dass es nur eine Attrappe war, irgendjemand schreit Salafisten, weil ja jeder weiß, dass Bonn eine Salafistenhochburg ist. Umgehend werden zwei Salafisten verhaftet in Gewahrsam genommen. Sie kommen am nächsten Tag wieder frei, weil man sich da wohl vertan hat, obwohl die dem Phantombild wirklich ähnlich sahen, also vielleicht.

Die Bombe war dann doch eine richtige Bombe, allein der Zünder fehlt. Am Bahnsteig fehlt  die Kameraüberwachung, aber das Schnellrestaurant ist ja da, das hat jemand ganz anderen mit der Tasche, in der die Bombe war, gefilmt. Huch, der Mann ist ja weiß und gar nicht identifizierbar. Welche weißen Männer haben wir denn jahrelang unterschätzt? Ach ja, Rechtsterroristen könnten es auch sein – oder jeder andere, hat sich ja auch noch niemand bekannt. Hm, der Zünder ist immer noch nicht aufgetaucht.

Oh, vielleicht wurde sie ja doch gezündet und die Bombe war nur schlecht zusammengesetzt. Und warum fällt euch das erst jetzt auf? Nachdem ihr schon festgestellt hattet, wie hoch explosiv das Ding gewesen wäre? Beantwortet ihr bestimmt in den nächsten Tagen.

Der Rest der Welt: Endenich

Als ich 2008 studienbedingt nach Bonn zog, hatte ich eigentlich absolut keine Ahnung wo man hier hip wohnen könnte. Poppelsdorf klang irgendwie niedlich, in Beuel sah man sofort den Rhein, aber die WG in Auerberg, die ich begutachtete lag ganz schön weit vom Schuss und war auch nicht besonders sympathisch (obwohl sie in ihrer Onlineanzeige damit geworben hatten, dass die Mitbewohner unter der Dusche Bier trinken). Endenich war auch nicht direkt sympathisch gewesen. Die erste potentielle Wohnmöglichkeit, die ich hier besichtigte, war ein extrem feuchter Bungalow im Garten der Vermieterfamilie gewesen, dessen Einrichtung wahrscheinlich original aus den 60er Jahren stammen musste, 40 Quadratmeter groß war und 400 Euro warm kosten sollte. (mehr …)

Niemand ist illegal

“Niemand ist freiwillig auf der Flucht. Das eigene Land, die “Heimat auf immer und ohne Aussicht auf eine Rückkehr zu verlassen, das ist garantiert kein Zuckerschlecken sondern etwas, was die Not allein gebietet. Deportation ist die Höchststrafe nach der Todesstrafe.”

Und weil das so ist, bitte ich Sie, sich den Text, aus dem dieses Zitat entnommen ist, komplett durchzulesen.

Switch weg

Ich las gerade den neuesten Blogeintrag von Patschbella, der mich dazu veranlasste das aufzuschreiben, was mich schon am Dienstag leicht in Rage versetzt hatte. Ich gucke mittlerweile nur noch Online-Fernsehen, was zur Folge hat, dass – Zattoo sei dank – die Öffentlich-Rechtlichen meine volle Aufmerksamkeit haben (Generell frage ich mich ja, ob die GfK-Boxen, läppische 6000 gibt es in ganz Fernsehdeutschland, in Zeiten von Onlinemediatheken überhaupt noch einen Sinn haben).

Es gibt aber wenige Privatfernsehsender-Serien, die ich tatsächlich gerne gucke und Pro7 hat durchaus meine höchsten Sympathien dafür, dass sie es zulassen, dass ihre US-Serien direkt nach US-Ausstrahlungsdatum bei iTunes käuflich zu erwerben sind (Hallo an den Sender, dem die Rechte an Downton Abbey gehören und Hallo ARD, danke, dass ihr das mit Sherlock nicht hinkriegt) – und ja, ich kaufe die wirklich (auch wenn iTunes da gerne mal bei rumzickt und durchschnittlich 3 Euro pro Folge ca. das Loch im Portmonnaie hinterlassen, dass der tägliche Zigarettenkonsum früher hinterließ – ich denke Serienschauen ist gesünder).

Kommen wir zu den Pro7 Sendungen aus Deutschland und damit zum vielfach ausgezeichneten Liebling switch reloaded. (mehr …)