„Bist du öfters in der Mensa?“

Wenn das eben eine Guerilla-Marketing-Aktion war, dann war sie ziemlich gut. Ich bin nämlich drauf hineingefallen. Man muss wissen, ich ziehe seltsame Menschen an. Ich habe irgendwo auf meinem Kopf ein unsichtbares Zeichen, das signalisiert „Von den total kranken Bergen, kommen wir, die Menschen, die uns ansprechen sind genauso strange wie wir“. Und so trug sich eben exakt so eine Situation wieder zu.

Ich verbrachte einige Zeit in der Mensa und begab mich dann wieder aus eben jener. Diese Woche ist die Woche der schwerwiegenden Fehler, also beging ich heute auch wieder einen. Ich ging an etwas vorbei, dachte darüber nach es zu fotografieren und drehte mich um. Ganz schlimmer Gedanke, ein älteres, menschliches Wesen kam mir nämlich entgegen und sagte „Hallo“ zu mir. Sie glauben nicht, wie sehr ich höflich erzogen bin (und wie sehr ich das ablege, wenn ich mal mit jemandem warm geworden bin) also grüßte ich zurück, obwohl ich das ältere, menschliche Wesen gar nicht kannte. Verwirrt und leicht verängstigt setzte ich an weiterzugehen. Pustekuchen, es ging weiter:

„Ich hab dich doch schon öfters mal in der Mensa gesehen.“

„Ja?“ (kann gar nicht sein, ich bin da fast nie und warum ist man in der Mensa noch nicht mal vor Stalkern sicher?)

„Ja, ich geh da auch öfters zum Mittagessen hin, ich arbeite nämlich hier um die Ecke. Wohnst du auch hier?“ (der liest mein Blog, der liest mein Blog, nie wieder Fotos von mir online stellen)

„Ah ja, ist ja auch immer günstig da und ich wohne woanders.“ (Wtf, wie komm ich hier raus und gut gemacht, ellebil, niemals verraten wo genau du wohnst, sonst musst du demnächst wieder der Versicherung schreiben.)

„Was machst du denn so?“ (aaaaaaahhh)

„Ich studier Geschichte und schreibe gerade meine Bachelorarbeit.“ (warum erzähle ich sowas?)

„Was hältst du von Guido Knopp?“ (DAS HAT DER WIRKLICH GEFRAGT!!!)

„Ähm ja, unwissenschaftlich halt.“ (was sonst?)

„Kann ich dir mal meine Karte geben, ich organisiere da nämlich ein bedeutendes Event.“

(Was jetzt kommt ist total bescheuert)

„Ich kann dir auch meine Karte geben.“

Es folgten Gespräche über ARD-Popnacht-Moderatoren, Peter Kloeppel, Rangar Yogeshwar, Sky Dumont und andere Promis. Das menschliche, ältere Etwas versuchte dann, mich zu seinem Büro zu locken. Ich blieb davor stehen, es händigte mir einen Zettel aus und ich soll jetzt ganz groß rauskommen als Sprecherin. Ich gehe jetzt meine Visitenkarten verbrennen, damit das nie wieder passieren kann und tauche meinen Kopf in ein Eimer eiskaltes Wasser. Scheiße, war das gruselig.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bei älteres Wesen hab ich ja zunächst an unsere Begegnung in der Mensa gedacht, aber da hast du deine Angst elegant in Aktion umgesetzt :D… Was stand denn auf seiner Karte?

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    • Dipl.-Betriebswirt (FH), CEO. Und in der Mensa habe ich dich angesprochen, weil ich mir einbilde, dich besser zu kennen als dahergelaufene CEOs, die anscheinend gerne Menschen beobachten, die ganz alleine in der Mensa essen. Ich werde von nun an nur noch mit Personenschutz in der Mensa essen oder mir eine Perücke zulegen müssen.

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  2. Ach ich hab mich ja gefreut. Fands halt schade das du so schnell abgehauen bist. Damit hab ich ne gute Chance verpasst mich auf nen Kaffee einladen zu lassen.

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    • ich glaube es hatte sogar einen Grund, weshalb ich so schnell weg musste…er fällt mir nur nicht mehr ein, genauso wie mir der Wochentag nicht mehr einfällt, der evtl. den Zusammenhang herstellen könnte.

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  3. Pingback: La semaine 32 | Mehr Pusteblumen, mehr Seifenblasen!

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