Der Tag des schlechten Kaffees begann damit, dass ich vor meinem Wecker zu einer für mich wirklich nachtschlafenden Zeit (06:55 Uhr) erwachte. Ich erwache so früh nur, wenn ich ein schlechtes Gewissen habe und deswegen werde ich auch noch die zwei kommenden Tage viel zu früh aufwachen. Aber back to topic. Weil ich so früh aufgewacht war, konnte ich endlich das tun, was ich sehr selten mache.
Ich zappte mich durch die Morningshows der deutschen Fernsehsender. In der ARD saßen zwei und machten Moderationsfehler. Die waren allerdings nicht so schlimm wie die der Damen 2 Sender weiter. Die saßen zusammen auf einem Sofa und fielen sich ständig gegenseitig ins Wort und ähhten sich so durch die Sendung. Zwischendurch kam Werbung. Ich glaube, die Zielgruppe, die werktags morgens um 7.00 Uhr fernsieht, ist eine ziemlich komische. Es müssen Frauen sein, die abnehmen wollen, inkontinent sind und unwahrscheinlich anfällig für Scheidenpilze sind (denn noch nie zuvor sah ich Werbung für sowas im Fernsehen).
Ich ertrug das alles nicht und versuchte wieder zu schlafen. Allerdings bekam ich beim Schlafen Alpträume von den ähenden Moderatorinnen, die mir über ihren Scheidenpilz berichten wollten. Also wurde ich wieder wach. Die Moderatorinnen hatten sich für 1,5 Stunden verzogen, sodass ich mich durch sämtliche Vorabendsoapwiederholungen glotzen konnte. Unlustig, ganz, ganz unlustig kann ich ihnen sagen. Ach, Sie wissen das schon? Ähm, gut, besser spät als nie merken, ne?
So stand ich denn auf und begab mich an den Planschbecken meiner Drosophilchen vorbei zu meinem fahrbaren Untersatz. Der fahrbare Untersatz und ich sind eigentlich ein Herz und eine Seele. Der fahrbare Untersatz hat mir verziehen, dass ich ihm unschöne Narben hinzugefügt und nie verarztet habe und ich habe dem fahrbaren Untersatz verziehen, dass er das ihm fremde Organ namens “Handbremse” regelmäßig abstößt. Der fahrbare Untersatz (äußerst selten auch Henry genannt) musste mal wieder zum Check-Up.
Jetzt muss man sagen, dass ich und der Henry-Check-Up-Verein nicht die allerbesten Freunde sind. Wenn Sie wissen wollen warum, dann fragen Sie doch einfach qype. Ich und die Herren und Damen da werden uns niemals warm werden. Ich verbitte mir hier übrigens Hinweise, wo ich stattdessen hingehen könnte, weil das da heute eh mein letzter Besuch war.
So begab ich mich äußerst pünktlich an den Ort, um den Schlüssel zu Henrys Herzen zu verleihen. Ich tätschelte noch einmal die Narben, die ich ihm angetan hatte und begab mich in das wüste, öde Land. Dort angekommen brachte man mich zu einem Platz, an dem man mich beraten wollte. Dort saß ich für 20 Minuten und durfte zuhören, wie sich die Mitarbeiter beschwerten, sie müssten heute bis 15 Uhr arbeiten (ich dachte mir etwas, verbat mir dann allerdings wieder das zu denken, weil ich ja gar nicht arbeite). Nach 20 Minuten tauchte zuerst die Empfangschefin auf, die sagte, mein Beratermensch müsse gleich kommen, er sei nur gerade zu Tisch und hätte sein Handliches nicht dabei. Öh, ja.
Sogleich folgte der Auftritt des Beratermenschen. Kein Wort der Entschuldigung mich 20 Minuten warten zu lassen. Vielleicht lag das aber auch daran, dass man mir den Studentenstatus ansieht. Nun ja, Henrys OP wurde mit mir durchgesprochen und dann passierte etwas, was ich mir nie erträumt hätte: mir wurde angeboten, ob Henry nach der OP noch gewaschen werden sollte. Ich kippte fast vom Stuhl (man muss dazu wissen, Henry ist ein Kleinwagen der ganz kleinen Sorte). Danach bot man mir sogar an, mir ein Busticket zu spendieren, damit ich wieder nach Hause komme. Ich konnte allerdings nicht schnell genug schalten und anstatt den Laden mit 2,50 Euro für die Busfahrt so richtig auszunehmen, ächzte ich fix, ich hätte ein Dauerticket.
Auf dem Weg zur Bushaltestelle musste ich dringend etwas fotografieren:
So und jetzt kommen wir dann auch mal zum Kaffee. Ich begab mich zum Starbucks in der Innenstadt. Ich nahm einen Café Latte in grande oder so (keine Ahnung was die mittlere Größe bei Starbucks jetzt noch mal ist). Ich fand bald darauf hinaus, dass ich im Falle eines Kaffeemilchgemisches anscheinend laktoseintolerant bin, das äußerte sich in bösen Bauchschmerzen. Bäh, darauf atmete ich erstmal ein Schokocroissant ein und da ich nicht essen kann, wurde ich trotz mangelnder Sonne heute in Bonn total braun.
Ca. zwei Stunden später begab ich mich in ein Cafébarbistrorant und bestellt Spaghetti Carbonara (auch Carbonara-Sahne macht mich laktoseintolerant). In dem Cafébarbistrorant war die Kaffeemaschine gerade kaputt, was wohl der Grund war, warum heute der Tag des schlechten Kaffees war. Nun denn, es war schon spät und Henry sollte seine OP bereits hinter sich haben. Also fuhr ich ins Henrykrankenhaus und meine Güte sah Henry wieder gut aus (so gut sah er das letzte Mal in seinen ersten zwei Lebenswochen aus)!
Das Problem war nur: Die Krankenkassenabrechnung für Henry war noch nicht fertig. Es ist nämlich sehr schwierig, da ganz genau abzurechnen, ich kenne das. Also setzte man mich auf einen Stuhl und versuchte mich mit Kaffee ruhig zu stellen (!!!). Boah war das ne Plörre. Glücklicher Weise hatten die Mühlen des Krankenhauses die Rechnung aber nicht pulverisiert, ich beglich sie und erfuhr endgültig, dass Henry leider kein ditschitäl nädiv ist. Er ist auch nicht K.I.T.T. und kann einfach nicht mit mir sprechen und mir sagen, wann er das nächste Mal ins Krankenhaus muss, dafür hat er jetzt wieder eine neue Visitenkarte in der Seitentür kleben, die ich nur noch auswendig lernen musste.
Zuhause dann die nächste tolle Überraschung. Post von der Vermietungsorganisation, die mir mitteilte, dass sie die Miete für die 26m² lichtarme Klitsche erhöhen. Jetzt also 105 Euro Nebenkosten, lieber Mietspiegelmensch, falls es dich interessiert, in Endenich kosten 26m² Wohnungen jetzt 380 Euro warm! Weil das total unverhältnismäßig ist und ich mir davon mindestens ein Penthouse in Tannenbusch leisten könnte, ziehe ich hier jetzt aus, endgültig, hab ich heute beschlossen. Falls Sie also ein kleines, feines Appartment oder eine WG-fähige Wohnung in Bonn (dann aber mit Balkon, Tageslicht- und Wannenbad und Einbauküche in unmittelbarerer Umgebung der Innenstadt als Endenich, die Dame hat eben Ansprüche) immer her damit!
Ach ja, positivste Errungenschaft des Tages:
PS: Liebe Gebühreneinzugszentrale: Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind rein zufällig.


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