Neulich traf ich einen Schotten. Da dieser Text Klischees bezüglich einiger Nationen behandelt, schreibe ich jetzt: wie für einen Schotten üblich, war der Schotte betrunken. Als wir uns vom Schotten verabschiedeten, hatte ich mich – den langsam auch hierzulande einziehenden Sitten entsprechend – darauf vorbereitet, dass man zum Abschied umarmt wird. Grund dafür war auch das Erlebnis mit einem Engländer einige Stunden zuvor, den ich überhaupt nicht kannte, der mich aber zur Begrüßung umarmte. Sowohl der Schotte als auch der Engländer waren sehr nett. Es ändert aber nichts daran, dass ich Umarmungen nicht ab kann. Ich füge mich gesellschaftlichen Erwartungen an mich und lasse mich umarmen. Meist ist das ja auch recht schnell vorbei, aber was ist eigentlich aus dem guten alten Händedruck geworden? Dem freundlichen Zunicken? Warum zur Hölle braucht alle Welt Körperkontakt? Ich möchte den meisten Menschen nicht so nah kommen, dass ich ihr Deo erraten kann oder ihr Parfüm oder wann sie zuletzt geduscht haben.
Zurück zum Schotten. Der Schotte wollte mich nicht nur umarmen. Er gab mir direkt ein Küsschen links und ein Küsschen rechts. Und nein, nicht die Hauchversion. Der Schotte hatte nämlich gelernt, dass man das hier in Deutschland so mache. Was ich bislang nicht wusste, hatte unser Innenminister doch erst kürzlich in seiner Gebrauchsanweisung für Deutschland geschrieben, dass man sich hier zur Begrüßung die Hand gebe. Leider hat unser Innenminister aber vergessen zu schreiben wie man sich verabschiedet, was nun anscheinend zu schwerwiegenden – wie zum Beispiel meinen – Problemen zu führen scheint. Das wiederum erinnerte mich an die Episode mit dem Deutschen, der in Paris lebte. Ich kannte ihn noch nicht so lange als er sich von mir verabschiedete. Da ich annahm, dass wir uns – als Deutsche (!) – maximal eine Umarmung zum Abschied schenken, war ich etwas überrumpelt als er mich näher zu sich heran zog und dann mit dem Austausch von drei bisous begann. Ich war in der Situation so überfordert, dass ich leider ständig meinen Kopf in die falsche Richtung drehte, was dann dazu führte das wir anstelle von bisous Kopfnüsse austauschten. Das wiederum fand ich dann doch irgendwie schon sehr deutsch.
Kommentare
Eigentlich wollte ich jetzt nicht noch mehr kommentieren. Aber es geht nicht bei diesem Thema hier.
Es erinnert mich sehr stark an eine Begebenheit vor 4 oder 5 Wochen. Eine Austauschstudentin aus Portugal hatte ihren spanischen Freund hier, der mich zur Begrüßung in den Arm nehmen und je ein Bussi links und rechts verteilen wollte. Sie monierte später, mein Zögern hätte ihren Freund verwirrt.
Aha.
Ich würde mein Verhalten jetzt mal als normal betrachten. Vom geruchlichen Aspekt abgesehen, will man vielleicht auch einfach nicht von allem und jedem hmmm…angefaßt werden. Zumindest ich. Das ist immer noch meine Komfortzone, verdammt!
Und falls sich demnächst mal wieder jemand über meine Reaktion beschweren sollte, wird der Beitrag hier von mir wärmstens empfohlen. Versprochen!