#Briefbuchleaks: Die dumme Fortsetzungsgeschichte

Das Briefbuch kann so einiges. Zum Beispiel kann man darin wunderbar kollaboratives Schreiben üben. Es ist also quasi ein Vorgänger der Etherpads. 13-jährige Briefbuchautorinnen waren noch etwas märchenverliebt und schrieben deswegen abstruseste Geschichten und bedienten sich bereits existierender Geschichten während Helene Hegemann sich noch nicht ausgemalt hatte wie es im Berghain denn aussehen könnte. Aber lesen Sie selbst.

Die Prinzessin

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Florentius – für 13-jährige im Jahr 2002 keine Schönheit. Heute vermutlich wegen seines Hipsterbartes der Traum aller Girls.

Es war einmal eine kleine, schlaue Prinzessin, die eines Tages einen noch kleineren, schlaueren und noch dazu sehr süßen Prinzen als Bruder bekam, alle verhätschelten ihn nun. Die Prinzessin hieß Florentia (sprich Florentzia!). Sie wurde so neidisch und traurig, dass sie ausriss und versuchte zu ihrer, von ihrer Mutter verhassten Tante zu gelangen, doch auf dem Weg traf sie den alten Holzhacker Florentius, ein übler und ekliger Mensch, der kein Herz besaß. Er war ein ungehobelter Bursche, der fast immer eine Braut suchte, so auch Florentia! Aber die wollte nicht, so rannte sie weiter zum Haus ihrer Tante. Das Haus lag tief im Wald, sodass fast niemand es fand. Ihre Tante sah aus wie eine Elfe, sie schien niemals älter zu werden.

 

Tante Flora, das sexy chick.

Tante Flora, das sexy chick.

Ihrer Tante sah Florentia ähnlicher als ihrer eigenen Mutter. Ihre Tante (sie hieß Flora) besaß Zauberkräfte und hatte viele Tiere, darunter der Hund Thomy (hier kommt der Genuß). Er hatte die Gabe mit Menschen sprechen zu können. Florentia lebte von nun an bei ihrer Tante, doch die Späher ihrer Mutter fanden das Haus der Tante sehr schnell. Und fanden Florentia, sie sperrten sie auf einen großen Wagen, sie schrie um Hilfe, aber niemand hörte sie und so wurde sie zurück ins Schloss gebracht,

Florentia stand ihrer Mutter im Schloss gegenüber.

Sorry, Florentia, die Party ist vorbei, du wirst jetzt von einer Gummiwurst nach Hause gezogen.

Sorry, Florentia, die Party ist vorbei, du wirst jetzt von einer Gummiwurst nach Hause gezogen.

Königin Hildegard Almut Rosalinde Mercedes Gerda stellte sich vor ihre Tochter und sagte: „Du bist eine alte, schreckliche Kuh!“ – „Aber Königin, es war mir eine Qual ansehen zu müssen wie mein Bruder verhätschelt wurde, während ich in Vergessenheit geriet.“ – „Du undankbares Gör! DU wirst als Gänsemagd in den Wald geschickt, dort musst du mit dem Holzhacker Florentius leben, dem du versprochen bist, du wirst ihn übermorgen in der schäbigsten Kirche die ich finden konnte heiraten und ohne Reichtum leben müssen.“ Florentia ekelte sich vor Florentius, er stank und war nicht sauber, sie heirateten in einer kleinen Kirche. Mit der Zeit gewöhnte sich Florentia an Florentius und freundete sich mit ihm an, liebte ihn jedoch nicht. Eines Tages kam ein wunderschöner Prinz zu ihrem Haus und verliebte sich in Florentia, er ließ Florentia rufen und lud sie in seinen Palast ein, doch Florentia antwortete:

"Ey, Florentia, get rich or die trying!"

„Ey, Florentia, get rich or die trying!“

„Ich bin mit Florentius verheiratet!“

So lud der Prinz, der Khan hieß, Florentius zur Jagd ein und stellte ihm Aufgaben. Es war nämlich Gesetz in dieser Zeit, dass der Prinz jedem, der seine Fragen nicht zu beantworten wusste, das Leben nehmen oder schenken konnte. Als erstes ritt er mit dem Mann aus und stellte ihm die Frage: „Siehst du die Krähen dort auf dem Felsen? Reite hin und höre, warum sie so aufgeregt krächzen. Und dann komm zurück und erzähle es mir.“ Florentius ritt zu den Krähen und kam zurück, er sagte zu Khan: „Herr, die Vögel sprechen über euch. Sie reden davon, dass Ihr auf der Jagd seid. Sie wissen, dass es Blut und Aas im Überfluss geben und es ihnen an Nahrung nicht mangeln wird.“ So bestiegen sie wieder ihre Pferde und ritten weiter. Sie waren noch gar nicht so lange geritten, als sie in einem Graben einen Toten liegen sahen. Der Tote starrte bloß in den Himmel. Khan wollte nun wissen was der Tote dachte. Florentius ging zum Leichnam und kam bald zurück. „Herr, der Tote liegt da und denkt, dass es wunderbar, das Schönste auf Erden ist, lebendig zu sein. Er denkt, dass es schrecklich ist, tot am Boden zu liegen. Und er denkt darüber nach, wie seltsam es ist, auf die Jagd zu gehen und anderen Schaden zuzufügen.“ Dann sagte Khan: „Du sollst morgen in den Palast geritten kommen auf einem Pferd mit zwei Köpfen. Wenn du das nicht vermagst, musst du sterben!“ Florentia hatte eine Lösung, die sie Florentius erläuterte: „Reite auf unserer trächtigen Stute. Löse den Sattelriemen erst, wenn du vor Prinz Khan trittst. Gerade dann wird das Fohlen geboren werden und die Stute hat für einen Augenblick zwei Köpfe!“ Alles was Florentia gesagt hatte traf ein.

Doch dann stellte Prinz Khan eine Aufgabe, die niemand zu lösen vermochte. Florentia fing an zu weinen und schrie: „Aber er ist doch mein Mann, ich liebe ihn doch so wie er ist!“ Prinz Khan verschwindet und aus dem hässlichen Florentius wird Prinz Florentius, der ein wunderschönes Schloss besaß und zusammen mit Florentia noch viele Kinder hatte. Natürlich hatte Tante Flora, die eigentlich Florentias Mutter war ihre Finger im Spiel. Die Hütte im Wald verwandelte sich in ein Schloss. Die Königin Hildegard Almut Rosalinde Mercedes Gerda war eine Hexe, die, als der Bann von Florentia gebrochen wurde, starb, denn sie hatte Florentius verhext.

Die Jagdepisode ist mit Sicherheit aus irgendeinem Märchen geklaut. 

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