Das Prokrastier, das Putzfimmel und die Wut

Wut hat ein verdammt schlechtes Image. Es gibt da diese Wutbürger, die in den letzten Jahren immer schrecklicher geworden sind. Wütende Menschen mag eigentlich auch niemand und ich meine Hitler hat man ja auch ständig nur wütend gesehen. Dabei ist Wut eigentlich eine tolle Erfindung. Nehmen Sie zum Beispiel mich. Ich bin ein dauerprokrastinierendes Faultier. So ein echtes. Ich kann so hart prokrastinieren, dass ich noch nicht mal anfange zu putzen, wenn wichtige Dinge wie Prüfungen anstehen. Nein, ich mache einfach so weiter wie sonst auch. Das heißt in erster Linie, dass ich so lange und ausgiebig schlafe wie es geht, mir dummes Zeug im Internet angucke und das war es dann auch schon. Damit kann ich ganze Tage, wenn nicht sogar Wochen verbringen.

Aber dann kommt die Wut. Zum Beispiel darüber, dass ein Haufen Vollpfosten und Armleuchter meint, ihr ach so schönes Abendland wäre in Gefahr. Deswegen laden sie sich noch größere Vollpfosten und Armleuchter ein, die den Aluhutismus, Xenophobie und andere Dinge predigen, die man nicht nur eigentlich nicht braucht, man braucht sie halt gar nicht. Dann wird mein inneres Proskrastier sehr, sehr wütend. So wütend, dass es weder schlafen, noch im Internet Katzenvideos sehen möchte. Für seine Wut stellt es sich als Wutbürger auch Ende Dezember vier Stunden auf eine matschige Wiese, um die Vollpfosten und Armleuchter und die Ober-Vollpfosten und Ober-Armleuchter anzubrüllen.

Genauso wütend wird das Prokrastier auch, wenn sein natürlicher Lebensraum bedroht ist. Es lebt in einem Haus, das 1987 unter Naturschutz gestellt worden ist, weil hier Tiere leben, die nur entstehen können, wenn die Fenster mindestens 15 Jahre nicht geputzt wurden. Dem Nationalpark Flur im Naturschutzgebiet kommt dabei eine besondere Rolle zu: hier werden behutsam Staubpartikel in die freie Wildbahn entlassen und auch die ersten Rudel Wollmäuse sind erfolgreich ausgewildert worden. Leider ist bei diesem Auswilderungsprozess ein Missgeschick passiert. Gemeinsam mit dem Prokrastier, dem Trampofanten, den Staubpartikeln und den Rudeln Wollmäusen wurde auch ein Putzfimmel ausgewildert, das das natürliche Gleichgewicht des Naturschutzgebietes bedroht. Das Putzfimmel ist passiv-aggressiv und kommuniziert nur in Zetteln. Kürzlich beschwerte es sich, dass der Flur nicht richtig geputzt sei. Dabei wollte das Prokrastier nur die Wollmäuse und Staubpartikel schonen. Aber das Putzfimmel sieht das anders und schreibt dann so Zettel auf denen drauf steht „Sehr geehrtes Prokrastier, Sie haben den Dreck ja nur von der einen in die andere Ecke geschoben“. Derart passiv-aggressive Sätze machen das Prokrastier sauer. Mit seiner ganzen Wut schrubbte das Prokrastier also den Nationalpark Flur. Das Ergebnis: sämtliche Staubpartikelpopulationen sind dahin gerafft, vereinzelte Wollmäuse konnten sich in den Keller retten. Die UNESCO hat den Nationalpark Flur aus ihrem Weltkulturerbe gestrichen und das Prokrastier hatte noch etwas Wut übrig und hat das Putzfimmel bei Greenpeace angeschwärzt.

Wut. So eine tolle Sache!

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Bonner Linktipps am Mittwoch: Über Küchentraumata, intelligente Puppen und das Prokrastier | Bundesstadt.com

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.



*