Dumme Kinder – die Geschichte einer Animal Hoarderin

Kinder können so tolle Sachen und wenn sie mal scheiße bauen, sind sie wenigstens niedlich. Wenn Erwachsene scheiße bauen, dann sind sie nicht mehr niedlich und eigentlich auch total dumm, weil sie sind ja schon alt genug und sollten es eigentlich besser wissen. Kinder können also unbedarft scheiße bauen, denn sie sind Kinder. Wenn die also den roten Knopf bei Papa im Büro drücken und daraufhin die halbe Erde explodiert, dann ist das nun mal so.

Kinder können anderen auch die Freiheit rauben ohne, dass sie dafür in irgendeiner Weise bestraft werden, außer vielleicht vom eigenen Gewissen. So misshandelte die kleine C. im Frühling des Jahres 1998 (vermutlich) H.B. solange mit ihren Füßen, dass er ans untere Ende des gemeinsam genutzten Schlafsackes floh. C. kümmerte sich am nächsten Morgen nicht weiter darum und ließ, ganz verzogenes Gör, das sie war, den Schlafsack von den Eltern der Freunde bei denen sie nächtigte, zusammenrollen und fuhr nach Hause. H.B. hatte in seiner zehnjährigen Liaison mit der kleinen C. einiges zu ertragen gehabt. Aufgrund einer perversen Neigung der kleinen C. sich in Pfützen zu belustigen oder Köpfe oral zu verwöhnen, hatte sein Äußeres schnell gelitten. Der Glanz der frühen Tage seines Existierens war schnell vorbei, daran konnte auch das Piercing in seinem rechten Ohr nichts ändern, sein Wert war verloren.

Als die kleine C. in den frühen 1990er Jahren einige der typischen Modesünden des Jahrzehnts beging, musste H.B. mitmachen. Und während das ins Haar geflochtene Band bei der kleinen C. recht schnell ausfiel, musste es bei H.B. abgeschnitten werden. Allein, die Chirugin, die es abschnitt, war die kleine C. und die war – man kann es nicht anders sagen – schon damals so untalentiert, dass sie, obwohl familiär vorbelastet, nie eine medizinische Karriere einschlug, was für die gesamte Menschheit das Beste ist. H.B. trägt bis heute die Überreste dieser misslungenen Operation mit sich. Außerdem wurde H.B., obwohl noch minderjährig, zu allerlei Dingen gezwungen. Dass er im gleichen Bett wie die kleine C. schlafen musste, wurde ja bereits erwähnt.

Nacht für Nacht wurde H.B. besabbert, selbst die Schutzkappe half nicht ausreichend.
Nacht für Nacht wurde H.B. besabbert, selbst die Schutzkappe half nicht ausreichend.

Darüber hinaus hatte es H.B. nicht leicht, denn er war von einem internationalen Schleuserring, der ihn und seinesgleichen zu horrenden Preisen an grausame Erwachsene verkaufte, in die Hände der kleinen C. geraten. Die kleine C. hatte die beiden Erwachsenen, die sich um sie kümmerten, unter ihre Kontrolle gebracht und sie durch den Einsatz unterschiedlichster psychischer Grausamkeiten bis hin zur Schreifolter dazu gezwungen den vielen international operierenden Schleuserringen mehr plüschige Unschuld abzukaufen. Man konnte es nicht anders sagen, die kleine C. war eine der schlimmsten Animal Hoarder Deutschlands in den frühen 1990er Jahren.

Die kleine C. begeht schlimmste Verbrechen und grinst dabei noch dreckig.
Die kleine C. begeht schlimmste Verbrechen und grinst dabei noch dreckig.

Der große Berufswunsch von H.B. war Erzieher gewesen, er war immer gerne mit Kindern zusammen gewesen, weswegen er sich auf eine Annonce der „Praktikum: Erziehung Gelingt Immer – Deutsche Agentur“, kurz PEGIDA, beworben hatte. Die Agentur hatte 800 Mark für die erfolgreiche Vermittlung verlangt und ihn dann eines Morgens per LKW in ein zentrales Auffanglager für Teddys gefahren. Dort war er dann leider der kleinen C. in die Hände gefallen. Geregelte Arbeitszeiten, wie sein Praktikumsvertrag sie ihm versprochen hatte, gab es nicht. Auch war sein Arbeitsplatz keinesfalls ungefährlich: oft musste er neben Messern und Gabeln liegen oder wurde fast vom Körper der kleinen C. zerquetscht.

Symbolbild: Unsicherer Arbeitsplatz.
Symbolbild: Der unsichere Arbeitsplatz von H.B.

Insofern war das Jahr im Schlafsack gar nicht so schrecklich für H.B., er hatte Ruhe vor der kleinen C., es war halt nur ein bisschen dunkel. Tatsächlich hatte die kleine C., ganz die Animal Hoarderin die sie war, viel größere Probleme: sie vermisste H.B. so sehr, dass alle anderen gehoardeten Animals sie nicht trösten konnten. Sie war schrecklich traurig, dachte, er sei bei der allerersten Bahnfahrt ihres Lebens vom Zug überrollt worden oder sei weggelaufen. Es geschah ihr recht, denn inmitten ihres eigenen Unglücks sah sie das Leid der ganzen anderen Plüschtiere um sie herum nicht, die sowohl ihren Artgenossen vermissten, als auch weiterhin in miserablen Zuständen auf viel zu kleinem Raum in einem für ihre Bedürfnisse schlecht eingerichteten Kinderzimmer hausten. Bald kam Abhilfe, denn auch der Zwillingsbruder von H.B. hatte sich bei PEGIDA beworben und war von den durch das Wimmern der kleinen C. terrorisierten Erwachsenen aufgekauft worden. Er war aber nicht H.B., das merkte die kleine C. recht schnell, weswegen ihm die schlimme Tortur erspart blieb. Leider wurde H.B. irgendwann in seinem Gefängnis (oder seinem Zufluchtsort?) entdeckt und an die kleine C., die sich natürlich einer Wahnsinnigen entsprechend freute, ausgeliefert, aber wenigstens hatte er jetzt seinen Zwillingsbruder.

H.B. und H.B. II - im Schicksal vereint.
H.B. II und H.B. – im Schicksal vereint.

 

 

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