Autor: ellebil

Wahlkampfsongs der SPD FTW!

Um die Objektivität dieses Blogs zu unterstreichen, folgt jetzt ein Best-Of der Wahlkampfsongs der SPD. Die sind leider nicht immer so kreativ wie die der CDU, was wohl in erster Linie daran liegt, dass man sich bekannter Songs bedient hat und einfach einen anderen Text drüber gesungen hat. Langweilig! Wo ist der SPD-Mandoki?

SPD Wahlkampfsong 1998
Man nehme einen alten 80er-Hit und lasse irgendwen drüber singen:

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=OU8PovYO4l0&w=420&h=315]

“Kannst du auch spüren, dass der Wind sich dreht? Es kommt ein Morgen immer wenn die Nacht vergeht.”

Die Vorstellung, dass Helmut Kohl die Nacht und Gerhard Schröder der Morgen sein soll, ist irgendwie auch sehr düster. Genauso gut:
“Sind die Zeiten schlecht,  sollen sie besser werden.” Ähm, ja, warum eigentlich?

Destino – Darum Rot!
Wow, das man das Wort Rheinland-Pfalz in einem Rap unterbringen kann, ich zücke den Hut (wenn ich einen hätte).

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=u_0p-ptgYls&w=420&h=315]

“SPD, SPD, es muss weitergehen, guckt nach vorn und bleibt nicht stehen!” Yeaaaaha! “Macht für Kurt Beck euer Kreuz!”

Meyit – Wähl die SPD !!! (SPD Song)
Was der CDU ihr Wahlkreis 66 ist, ist bei der SPD ein junger engagierter Musikant, der sich – wahrscheinlich aus freien Stücken – im Jahr 2009 dazu entschieden hat, youtube für seinen Wahlaufruf zu nutzen:

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=WivyE3ibZL0&w=420&h=315]

“Wähl die SPD und das Land wird jetzt schöner!”

Steini Girl – Verknallt in Steinmeier
Da hatte irgendwer zu viel Obama-Girl gesehen und war gleichzeitig musikalisch irgendwo Anfang der 90er stecken geblieben:

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=kfIBc5PG3LI&w=560&h=315]

“Du und dein Deutschlandplan werfen mich so aus der Bahn, du bist der Pimp, der Held! […] Und auch im Atomzeitalter strahlst du mein Frank-Walter!”

Wahlkampfsongs der CDU FTW!

Neben Praktikanten-Azubis-Songs sind Wahlkampfsongs der nächste heiße Scheiß. Der aktuellste von der CDU ist ähnlich inhaltsreich wie die Wahlprogramme. Folgend eine willkürliche Auswahl der allerschönsten Wahlkampfsongs mit ausgewählten Songzitaten.

An jedem neuen Tag
Produziert von dem renommierten Musikproduzenten Leslie Mandoki, ehemaliges Mitglied der Siegel-Powerband Dschingis Khan:

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=PWMMPjPOX9U&w=420&h=315]

“Gefühle, die mich treiben, Momente, die mich prägen, Gedanken, die da fliegen, Träume, die mich bewegen. Das ist, was ich will.”

Frage: welcher Mensch hat keine Gefühle, erlebt keine prägenden Momente, denkt und träumt nicht? Antwort: Anscheinend Leute, die Wahlkampfsongs singen.

Wir sind Wir
Auch vor vier Jahren war Mandoki wieder für die CDU aktiv. Der Text ist ca. inhaltlich ähnlich gehaltvoll wie “An jedem neuen Tag”:

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=1WwToH55zcM&w=560&h=315]

“Das Licht von morgen ist erwacht, die Zeichen sind erkannt, Vertrauen ist die wahre Macht, nur Wirklichkeit hat Bestand.”

These: Mandoki hat einen CDU-Wahlkampfsonggenerator programmiert und die Wahlkampfsongs der nächsten 80 Jahre bereits geschrieben.

Wahlkreis 66
This is hot. Endlich mal politische Botschaften, die die CDU Elbe-Elster zu bieten hat – mit dem special feature Udo Jürgens-Anleihen:

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=meg1ZSlJq6w&w=560&h=315]

“Im Wahlkreis 66 werden wir die Sieger sein. […] Mit Michael und Rainer, mit Angela sowieso, mit Ingo, Frank, Roswitha, da kämpft die CDU.”

Bei 1:51 scheint sich Peer Steinbrück eingeschmuggelt zu haben.

Wir bleiben beim Besten
Die CDU Elbe-Elster verfügt über ein musikalisches Talent, das seinesgleichen sucht. Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen schmissigen Hit und einem – nun ja – interessanten Verständnis der Regierungsform in Deutschland:

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=2IpVRuWSs9U&w=560&h=315]

“Die Königin regiert das Land mit sicherer und starker Hand, den Kompass im Blick, es gibt kein zurück gegen jeden Widerstand.”

Achtung: Peer Steinbrück aus “Wahlkreis 66” ist anscheinend der Bundestagswahlkandidat der CDU Elbe-Elster und heißt eigentlich Michael Stübgen und hat wegen der Verwechslungsgefahr anscheinend seine Brille mittlerweile abgelegt.

Wähl auch du CDU!
Früher war alles besser, auch die Wahlkampfsongs. Früher haben auch Bundespräsidenten gesungen. Früher haben sich auch richtige Stars eingesetzt und man musste nicht einen ehemaligen Dschingis Khan-Sänger mit Menschen, denen ihre Eltern die Teilnahme an der Castingshow verboten hatten, in ein Studio einschließen. Es reichte: Dieter Thomas Heck:

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=gsfcfhnXHvk&w=420&h=315]
“Wir wählen CDU, CDU, wähl auch du CDU!”
Damit hätte man bestimmt auch einen Grandprix gewinnen können.

Freitagsfüller

Idee kommt von hier.

1.  Ich oute mich als Kontrollfanatikerin, vermutlich wäre ich gar keine so schlechte NSA-Mitarbeiterin.

2. Diese Woche gab es nicht nur etwas Neues sondern ziemlich viel.

3.  Das beste Mittel gegen Langeweile habe ich noch nicht gefunden.

4.  Ich war das letzte Mal 2010 im Nagelstudio. Und aktuell sollte ich wohl auch besser nicht dahin gehen, Stress zeigt unschöne Auswirkungen.

5. Je stressiger desto fertiger.

6.  Wenigstens ist die neue Wohnung fast vollkommen.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Umzugskartons packen (haha), morgen habe ich putzen und Sachen abmontieren geplant und Sonntag möchte ich unbedingt einen Sprinter fahren, einen 2 Meter hohen Kühlschrank transportieren und meine Möbel durch die Gegend karren!

Ich war das nicht! Das war schon so!

Meine lieben Politiker,

es nervt. Es nervt wirklich. Es nervt total. Statt, dass ihr mir erzählt, was ihr – im Falle eures Wahlsieges – gegen Prism, Tempora und sonstige Spirenzchen unternehmen wollt, beschuldigt ihr euch jetzt gegenseitig, wer was zuerst gewusst und nicht gesagt hat. Wisst ihr, das ist mir ziemlich egal – es ist nämlich passiert und nicht mehr rückgängig zu machen. Dass irgendjemand Verantwortung für “alles” übernimmt, glaube ich eh schon lange nicht mehr. Also, lasst es gut sein und verhaltet euch nicht wie eine gottverdammte Krabbelgruppe – sagt mir Bescheid, wenn ihr euch nicht mehr gegenseitig einen mit der Schüppe überzieht und ein Denkprozess eingesetzt hat.

Bis dahin hilft es nichts zehn Jahre alte Beweise anzuführen, dass das jemand anderes ins Rollen gebracht hat und – liebe SPD – soweit ich weiß wart ihr bis 2009 an der Bundesregierung mitbeteiligt, nicht wahr? Hallo auch lieber Herr Gysi über Ihre SED-Vergangenheit schweigen wir uns jetzt einfach mal aus, okay?

Beste Grüße,
eine Nichtleserbriefeschreiberin

Sattel fest, den Fuß im Bügel – ellebil erzählt euch was vom Pferd

Dies ist ein Text zur Blogparade Pferdemädchen. Angestoßen von Anne und Silenttiffy.

Auch ich war mal ein Pferdemädchen. Oder wollte eines sein. Lange war ich es jedenfalls nicht. (mehr …)

Was ist des Deutschen Königskind?

Da die Mountbatten-Windsors sich gerade wieder personell erweitern, finden sich in deutschen Tageszeitungen immer mal wieder Artikel darüber, wie “deutsch” die britische Adelsfamilie denn nun ist und dass das neueste Familienmitglied ja auch ein paar Tropfen deutsches Blut abbekommen dürfte (kann mal bitte ein Biologe erklären, dass es sowas wie “deutsches Blut” gar nicht gibt?).

In der Tat ist es so, dass die aktuelle Royal Family der Briten ein paar “deutsche” Vorfahren zu bieten hat. Ob man die aber tatsächlich als “Deutsche” bezeichnen kann, darüber kann man sich sehr gut streiten, denn: als im Jahre 1714 Georg I. von Braunschweig und Lüneburg (ein paar weitere Titel hatte er auch noch) den Thron von Großbritannien und Irland bestieg, gab es noch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Heiliges Römisches Reich? Zwar kommt das Wort “Deutsch” auch mal vor, aber, um mal die Wikipedia zu zitieren:

Aufgrund seines vor- und übernationalen Charakters entwickelte sich das Reich nie zu einem Nationalstaat oder Staat moderner Prägung, sondern blieb ein monarchisch geführtes, ständisch geprägtes Gebilde aus Kaiser und Reichsständen mit nur wenigen gemeinsamen Reichsinstitutionen.

Will heißen: die Wahrscheinlichkeit, dass sich Georg I. als “Deutscher” empfand, dürfte eher gering gewesen sein. Georgs Urururenkelin Victoria sprach Deutsch, weil sie eine “deutsche” Mutter hatte. Auch hier ist die Bezeichnung “Deutsch” eher schwierig, weil das Heilige Römische Reich Deutscher Nation 1806 aufhörte zu existieren und danach zwar ein Wunsch nach Einigkeit und Recht und Freiheit entstand, man von einer “deutschen” Nation tatsächlich aber erst mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 sprechen kann. Als Victoria 1819 geboren wurde, war der Wiener Kongress – und damit die Neuaufteilung Europas – gerade mal vier Jahre her und “Deutschland” bestand immer noch aus einem Flickenteppich an souveränen Einzelstaaten.

Nun heiratete aber eben jene Victoria Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, also jemanden aus einem deutsch-sprachigen souveränen Einzelstaat. Sollte mit “Deutsch sein” irgendwelche Werte verbunden sein, so macht zumindest Victorias Enkel Wilhelm II. deutlich, dass “Deutsch sein” in Großbritannien dann etwas anders aussehen dürfte. Wilhelm soll zwar der Lieblingsenkel Ihrer Majestät gewesen sein, seine Mutter, die britische Prinzessin Victoria (kreativ sind diese Adeligen in ihrer Namensgebung ja nie gewesen) sah aber schon in den Erziehungsidealen in Großbritannien und Preußen große Unterschiede:

„Ich zittere bei dem Gedanken, wie meine heranwachsenden Jungen sich schließlich entwickeln werden. Die Verhältnisse hier und ein preußischer Hof scheinen ja geschaffen, um die Schwächen besonders zu nähren, die mich an meinem Willy so oft kränken […] Unsere Kinder werden allgemein ob des großen Missgeschicks bedauert, mich mit meinen ‚unglücklichen englischen Ideen und unpreußischen‘ Gesinnungen zur Mutter zu haben. Die Leute glauben, sie könnten nicht gut geraten […]. Ich will nur, dass meine Kinder aufwachsen gleich meinem Fritz, meinem Vater, gleich Dir und so unähnlich als möglich dem Rest der königlich-preußischen Familie.“ (Herre, Franz, Kaiserin Friedrich – Victoria, eine Engländerin in Deutschland, Stuttgart 2006, S. 157f, Zitat für den Blogeintrag ungeprüft aus der Wikipedia übernommen.)

Im Ersten Weltkrieg entledigten sich die “Deutschen auf dem britischen Thron” dann ihrer deutschen Titel. Der aktuelle König Georg V. sprach auch schon Englisch ohne deutschen Akzent. Dummer Weise hatte er mit Maria von Teck eine Deutsche geheiratet, die während des Krieges bei der britischen Bevölkerung natürlich nicht so besonders gut ankam. Dadurch, dass seine Großmutter Victoria ihre Kinder mal eben über Halb-Europa verheiratet hatte, führte Georg V.  Krieg mit seinem Cousin (Zar Nikolaus) und gegen seinen Cousin (Wilhelm II.). Um sich deutlich vom Cousin und den vermeintlichen deutschen Wurzeln zu distanzieren wurde am 17. Juli 1917 das Haus Windsor proklamiert und die deutschen Adelstitel abgelegt.

Als Georgs Enkelin Elizabeth II. 1947 Prince Philipp heiratete, hatte auch der deutsche Wurzeln, die aber ebenfalls 1917 bereits von Battenberg in Mountbatten übersetzt worden waren. Jetzt kann man natürlich den Standpunkt vertreten, dass da ja sehr viel kontinentales Blut durch die Venen des britischen Hochadels zirkuliert, inwiefern das aber irgendjemanden weiterbringt ist die andere Frage. Abgesehen davon: dass das aktuelle Royal Baby nur einen Elternteil hat, der gebürtig aus dem Hochadel stammt, dürfte ihm nur gut tun.

La semaine 29 en 2013

38c41e9ef13e11e2987d22000aaa0a97_6

Montag. Ich verbringe den Vormittag vorm Netz, ohne besonders produktiv zu sein. Auch heute ist kein Mietvertrag im Briefkasten. Am Nachmittag besuche ich ein Sommerfest für meine Kommilitonen und mich, das ich erst um zehn Uhr wieder verlasse, weswegen es in dieser Woche kein Pubquiz für mich gibt. Ich bin begeistert darüber, wieviele Radler ich trinken kann ohne besonders beschwipst zu werden.

Dienstag. Zahnspangenkontrolltermin. Alles top, man hat allerdings vergessen mich zu röntgen. Ähm ja. Also darf ich mal wieder geröntgt werden. Danach setze ich mich ins Café und werde umgehend dort angeschnorrt. Den Herren kenne ich, er ist im Bus immer äußerst unfreundlich, dann packt er allerdings eine Story von seiner Frau, die mit HIV im Endstadium im Krankenhaus läge, aus und dann hat er mich. Denke im Nachhinein generell über Schnorren nach, komme aber zu keinem Ergebnis für mich selbst, weswegen ich das wohl weiterhin situationsbedingt entscheiden werde. Danach gehe ich ein letztes Mal zu Bouvier. Es ist schon sehr leergefegt und am Schalter höre ich, wie sich eine Frau beklagt und sagt: “Da in Ihre Filiale am Markt, da geh ich aber nicht mehr, die finde ich nicht gut. Tut mir leid, aber da gehe ich lieber zur Konkurrenz.” Frage mich, ob man das jemandem sagen muss, der wahrscheinlich in zwei Wochen seinen Arbeitsplatz nicht mehr hat. Am Markt will ich 500 Gramm Kirschen haben und sehe genau, dass es ausgewogen nur 450 Gramm sind, ich aber trotzdem 2,50 Euro bezahlen darf. Ich sage aber nichts. Zuhause liegt ein großer Briefumschlag im Briefkasten. Es ist nicht der Mietvertrag.

Mittwoch. In NRW beginnen am Freitag die Schulferien, deswegen habe ich auf der Fahrt zum Bahnhof eine Kindergartengruppe im Bus, die wirklich jeden Platz im Bus besetzt. Ich mag Kinder, echt, aber nicht in diesen Mengen und vor allem nicht vor neun Uhr morgens. Es ist dann schon interessant zu beobachten, welches Kind eher still ist, welches Kind eher laut, welches kluge Fragen stellt, welches einfach schlafen will, welches einfach seinen Sitznachbarn schlagen will, aber als sie dann anfangen zu singen “Ich kenne eine Frau, die hat Augen aus Kakao, die Beine sind aus Leberwurst und diese Frau heißt ZipzippelippZipelonia” und das 15 Minuten lang – dann möchte ich Oropax. Auf dem Bahnsteig begegne ich dann etwas älteren Schülern, deren Nervpotential aber genauso hoch ist. Mittags rufe ich mal wieder beim potentiellen Vermieter an und erhalte die Auskunft, er wäre gerade nicht da, man würde ihm mein Anliegen ausrichten und er zurückrufen. Geschieht bis Ende des Tages nicht. Werde paranoid. Beginne mit der dritten Staffel The Good Wife, die ich vorher aus der Packstation gezogen habe.

Donnerstag. Ich hasse Fahrradfahrer auf Gehwegen, die aggressiv Fußgänger anklingeln. Vor allem, wenn diese Fußgänger seit drei Uhr morgens wegen Paranoia wach sind und den Tag mit vier Folgen The Good Wife begonnen haben. Am Bahnsteig steht die nächste Schulklasse und weil der RE5 mal wieder Verspätung hat, beginne ich zu beobachten und stelle fest, dass es die Prototypen von Oberstufenschülern weiterhin gibt:

– der coole Klassenheld
– die Strebermädchen
– der doofe Nerd, dem man, wenn er es nicht merkt, die leere Fantaflasche in die Kapuze legt.
– die durchgestylten Mädels, die gegenüber den Lehrern/Lehrerinnen immer total brav und kotzfreundlich sind, aber richtig mies abziehen können.

Ich lerne, dass Jugendliche heute ein erhöhtes Interesse an Filmschnitt zeigen. Wäre gerne etwas mehr Generation Youtube. Ich rufe mal wieder beim Vermieter an und erreiche zunächst wieder niemanden. Dann ruft er zurück und schickt mir irgendwas blanko-mäßiges. Seine Unterschrift habe ich damit immer noch nicht, aber immerhin. Darauf erst mal ein Café al sorbet und weil’s so schön war noch ein Fro(zen) Yo(gurt).

Freitag. Ich fahre arbeiten und ärgere mich über die Löcher, die gerade überall in Bonn auftauchen. Eigentlich soll mein Bus nämlich schon seit 14 Tagen wieder die normale Route fahren, aber weil ständig irgendwo Löcher im Boden auftauchen, verschiebt sich der Starttermin für die normale Route regelmäßig. Ich fahre abends ins Sauerland, wo es erstaunlich kühl ist, sodass ich um 23:30 Uhr in eine Wolldecke eingehüllt am Tisch sitze. Essis Somma, ker, da mussman draußn sitzen – egal welche Temperatur!

Samstag. Es sieht verdammt schrecklich nach Regen aus. Gegen Mittag klart es dann auf und es wird richtig warm, sodass ich spontan einen neuen Badeanzug, eine Schwimmbrille und ein Zelt kaufe, das mir wiederum sofort vom Herrn abgekauft wird. Weil ja so schönes Wetter ist, darf das Auto ins Autofreibad und ich teste direkt mal meine neue Schwimmbrille. Dann gibt es Kuchen und Kaffee, das in Grillen übergeht, weswegen ich gegen 19 Uhr, nachdem ich noch eine kurze Einführung in die Benutzung von Dropbox gegeben habe, in mein Auto rolle. Weil ich aber noch einen kurzen Zwischenstop einlegen muss, bei dem ich netter Weise noch auf die Terrasse eingeladen werde, bin ich erst gegen halb elf in Bonn. Gucke weiter The Good Wife, weil – keine Ahnung.

Sonntag. Früh aufstehen und dann doch etwas zu spät ankommen. Frau Sero und ich gehen nämlich heute Farben laufen. Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, ob ich die angekündigten 5 Kilometer wirklich joggen kann/will (das letzte Mal war ich im Februar joggen). Am Start angekommen gibt es erst mal das Ausstattungspaket und einen Moderator, der von seinem Ballettlehrer Klaus erzählt. Verbuche ich unter merkwürdig. Genauso merkwürdig ist es, dass für die – laut Veranstalter – 9000 Starter im Startbereich ganze vier Dixieklos stehen. In beginnender Mittagshitze um 11 Uhr geht es nach mehreren komischen Einheizversuchen vom Moderator, der wahrscheinlich beim Bewerbungsgespräch für die Stelle “Junger Mann zum Mitreisen gesucht” nicht genommen wurde, los. Problem: etwas zu viel Wasser getrunken, etwas zu heiß, etwas zu unsportlich. Aber aus unerfindlichen Gründen laufen wir laut der runtastischen Liveaktivität auch nur 3,5 Kilometer, was für meine Kondition noch einigermaßen vertretbar ist.

12d8f6bcf22111e28ea222000a9f1946_6

Danach gibt es eine Party Marke “All-in Urlaub”, noch etwas Farbe und dem mantra-artig wiederholtem “Endorphine statt Amphetamine!”. Doch, war lustig und bunt. Nächstes Jahr vielleicht dann lieber als freiwilliger Wegposten, der andere mit Farbe bewirft.

d8cf469af1eb11e2848422000ae91451_6

La semaine 29 vor zwei Jahren.

Linksabbieger (5)

Das Ende der Vorbildrepublik
Es ist wohl gerade en vogue festzustellen, dass man nichts wählen kann oder dabei sehr große Kompromisse eingehen muss. Für ziemlich ernste fünf Minuten dachte ich übrigens darüber nach einfach der PARTEI meine Stimme zu geben. Gründe dafür im Text von hellojed.

Kindeswohlgefährdung. Ich glaub es hakt.
Menschen, die mit ihrer Freizeit nichts anzufangen wissen, können einem eigentlich nur Leid tun. Eigentlich. Wie haben Fettes Brot noch mal gerappt? “Ich hatte Rachefantasien für die ich Gefängnis verdien’…”.

Wie es mit dem Arbeitsamt war.
Arbeitslosigkeit predigt man mir, seit ich das erste Mal zaghaft meinen Berufswunsch formuliert habe. Bislang habe ich mit der Agentur für Arbeit nur gute Erfahrungen gemacht. Anscheinend ändert sich das, sobald man tatsächlich auf sie angewiesen ist. Nicht unbedingt, weil es an die Mitarbeitern liegt, sondern vielmehr an der ganzen Bürokratie, wie mir scheint. Manchmal denke ich auch darüber nach, wer überhaupt Verantwortung braucht. Aber dann fällt mir auf, dass es immer Jobs mit viel Verantwortung geben wird – und dann frag ich mich, ob ich so einen Job haben will und dann kommt dieser Blogbeitrag von der Kaltmamsell und stürzt mich weiter ins Grübeln.

Warum Claudia Lücking-Michel von der CDU im September meine Stimme mit großer Wahrscheinlichkeit vermutlich nicht bekommen wird
Sven schreibt auch zum Thema Wahlkampf und stellt einen bislang unbeachteten, aber sehr wichtigen Aspekt heraus. Bei diversen Plakaten wäre ich mir übrigens nicht zu schade, mit dem Fahrrad voll in die reinzuknallen…

Schwimmend durch Bonn (2): Das Panoramabad in Rüngsdorf

1535fa9ee98511e2ae2a22000a1f9723_6

Das Panoramabad in Rüngsdorf ist Bonns ältestes Freibad. Es wurde 1930 gebaut und könnte heute wohl nicht mehr gebaut werden, weil die direkte Rheinlage wahrscheinlich heißbegehrt wäre. Den Namen “Panoramabad” verdient das Freibad in Rüngsdorf auf jeden Fall, denn: man hat einen Wahnsinnsblick sowohl auf den Petersberg als auch auf den Drachenfels. W-A-H-N-S-I-N-N – da macht es schon echt viel Spaß seine Bahnen zu ziehen. Getrübt wird dieser Spaß dadurch, dass das Sportbecken gerade mal 50 x 21 Meter misst, was acht Bahnen entspricht, und bei gutem Wetter daher gerne von Kindern und Teenies bevölkert wird, die entweder am Beckenrand abhängen, Tauchen üben oder vom Beckenrand springen (ja, ich bin voll spießig), weswegen man öfter mal Slalom schwimmen muss.

Außerdem hat das Panoramabad noch ein eigenes Sprungbecken, wo auch regelmäßig Wettkämpfe stattfinden. Wer also auf den Adrenalinkitzel steht, der ist hier wahrscheinlich besser aufgehoben als im Melbbad. Eine große Vergnügungslandschaft inklusive Wasserpilz (ich musste stark an mich halten hier keine doofen Witze zu machen – es fielen mir nämlich tausende ein), Massageliegen, Gegenstromkanal, eine große Rutsche und was das Herz sonst noch so begehrt (habe ich nicht getestet). Für kleinere und größere Kinder gibt’s einen Nordsee-Abenteuer-Was-auch-immer-Spielplatz mit “Matschfläche” (ebenfalls nicht getestet) und ein paar Topfpalmen stehen auch herum, dazu gibt’s noch eine Schachfläche, einen Kiosk und sogar ein Restaurant mit Sonnenterasse (das allerdings in einem Komplex untergebracht ist, der das Adjektiv “renovierungsbedürftig” schon verdient hat – allerdings wissen wir ja alle wie klamm Bonn in Sachen Schwimmbadfinanzierung ist).

Für Bonner, die nicht in Bad Godesberg wohnen, ist das Schwimmbad allerdings mit dem ÖPNV eher schlecht erreichbar, denn: man muss erst mal nach Bad Godesberg kommen, was mit Straßenbahn und Bahn zu bewältigen ist, danach geht’s dann noch mal für fünf Minuten in den Bus. Aber: der Ausblick lohnt die Anreise. Außerdem gibt’s vorm Schwimmbad kostenlose Parkplätze, die am Wochenende aber wahrscheinlich schnell gefüllt sein dürften und außerdem nicht im Schatten liegen =). Wer also mal nach Bad Godesberg will: der Weg dahin lohnt sich, vor allem, weil man währenddessen noch das Villenviertel begutachten kann, das auch sehr schön anzusehen ist. Reintheoretisch müsste man sogar mit dem Fahrrad am Rhein entlang zum “Rüngsi” (schlimmes Wort) kommen können, aber das habe ich noch nicht ausgetestet.

Das Panoramabad Rüngsdorf ist in Am Schwimmbad 8 in Rüngsdorf zu finden und hat unter der Woche täglich von 6:30 Uhr bis 20:00 Uhr und am Wochenende und an Feiertagen von 9:30 Uhr bis 20:00 Uhr geöffnet.

Edit 2015: Die Stadt Bonn lässt ihre Bäder gerade nur von 12 (bzw. 11 am Wochenende) bis 19 Uhr öffnen.

Schwimmbadprolldichte: ★★★✫✫
Richtig-Schwimmen-können-Möglichkeit: ★★★✫✫
Kulinarische Versorgung: ★★★★✫
Lage/Umgebung: ★★★★★
Special features: ★★★★✫
Schließfachmöglichkeiten: ★★★★✫
Erreichbarkeit vom Bonner Zentrum: ★★✫✫✫

Das Schwimmbadlied für das Panoramabad kommt von Metronomy:
[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=9PnOG67flRA&w=560&h=315]

Was ist Zeit?

Dank Lovefilm (wo ich mich gestern eigentlich wegen The Good Wife als Testabonnentin registrierte, dann aber feststellte, dass sie das da auch nicht anbieten) gucke ich gerade wieder alte Kinderserien. Gelegentlich mache ich das, einfach, um mal abzuchecken, ob meine Erinnerung stimmt. So halte ich die Serie “Die Mumins” (die fast nichts mit den Mumins-Büchern zu tun hat) mittlerweile für eine nette Analogie auf einen LSD-Trip (nicht, dass ich da stichhaltige Beweise für hätte).

Bei Lovefilm sind alle Folgen der “Es war einmal …”-Reihe verfügbar. Ein kurzer Blick auf Wikipedia verrät, dass es sich bei der Reihe “Es war einmal … der Mensch” um eine französische Zeichentrickserie des Jahres 1978 handelt, die mal eben die Weltgeschichte abhandelt. Sie läuft gelegentlich auch immer mal wieder bei ARTE.

Nun studiere ich ja zum Teil das, was im Ableger “Es war einmal … der Mensch” behandelt wird. Nachdem man das reichlich pathetische Udo-Jürgens-Intro “Tausend Jahre sind ein Tag” überwunden hat:

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=BCAvJnCxJBA&w=420&h=315]

gibt’s interessante Geschichtsvermittlung. Ich habe seit gestern insgesamt drei Folgen zur Neueren Geschichte gesehen und fand gerade bei der Folge “Aufbruch ins 20. Jahrhundert” interessante Aspekte:

1. Man merkt eindeutig, dass das eine französische Produktion ist. Dass die deutsche Geschichtsschreibung bezüglich der Motorisierung natürlich auch stark national gefärbt ist, dürfte klar sein, aber, dass man bei der Geschichte der Motorisierung fast ausschließlich die französischen Erfindungen präsentiert, ist dann doch, nun ja, mindestens interessant – wobei die Namen Benz und Ford am Rande mal irgendwie erwähnt werden.

2. Dass das Deutsche Reich 1895 mit einer schwarz-rot-goldenen Flagge assoziiert wird, geschenkt, passiert. Dass aber der Kolonialismus zwar zunächst verteufelt wird durch den Satz: “Die Zeit, die man die Schöne nennt, die belle epoque, zeigt den Menschen in seiner ganzen Hässlichkeit: der Sklavenhandel der Vergangenheit ist gewissermaßen ein kleiner Handwerkerbetrieb gegen die Fließbandproduktion fortschrittlicher Kolonialherren.” reicht m.M. nach nicht aus. Denn darauf folgt die stumpfe Wiedergabe kolonialistischer Aussagen mit einer kleinen Prise Ironie und gepaart mit einer Bild-Ton-Schere, die die indigenen Bewohner der Kolonialländer als erboste Wirrköpfe darstellt, die niemand versteht. Das erfordert für eine Kinderserie schon höheres Auffassungsvermögen, aber ich habe die Sendung im Vorschulalter geguckt und war wahrscheinlich auch nicht die Zielgruppe. Besonders nett ist auch eine Episode der Folge, in der der Einzug exotischer Waren gezeigt wird. Eine Mutter händigt ihrem Kind eine Banane aus, vor der dieses zunächst Angst hat. Dann erklärt die Mutter: “Ganz was Neues und Feines. Das schmeckt sehr gut, man nennt es Banane und es kommt aus Afrika, wo die schwarzen Menschen leben.”

3. Der Erste Weltkrieg wird recht ausgewogen dargestellt, was die sog. Kriegsschuldfrage anbelangt: “Die Ursachen des Ersten Weltkrieges liegen vor allem beim Verursacher. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung des Reiches macht Appetit auf neue Rohstoffgebiete und Absatzmärkte. Andere Ursachen kommen dazu: Frankreich will zum Beispiel gern Elsass-Lothringen zurück haben und hat durchaus Revancheabsichten gegenüber den Deutschen. Die Russen möchten die Vorherrschaft auf dem Balkan, England bangt um seine Vorherrschaft auf den Meeren, Japan möchte in China weiterkommen und Italien schaut begehrlich auf die Türkei.” Die Worte “Stellungskrieg und Eintritt Amerikas in den 1. WK” fallen auch. Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass während der russischen Februarrevolution (wobei nie erwähnt wird, dass es die Februarrevolution ist) im Hintergrund immer leise die Marseillaise zu hören ist, irgendwann geht’s aber in die Internationale über. Lenin wird irgendwann im Zug angekarrt und das war es dann, angeblich wird in der nächsten Folge erklärt, dass das mit dieser Revolution schon ne mächtige Enttäuschung war, hab ich aber nicht mitbekommen…